Ein Waisenjunge heuert als Zauberlehrling an und muss sich gegen einen Schwarzmagier behaupten. Das am 9. Oktober in die Kinos kommende Filmmärchen «Krabat» ist die Adaption des vielgeliebten Jugendromans von Otfried Preußler aus dem Jahre 1971, der ebenfalls ein internationaler Bestseller war und in 31 Sprachen übersetzt wurde. Angesichts der Flut von Verfilmungen deutscher Kinder- und Jugendliteratur ist es eigentlich erstaunlich, dass «Krabat» erst jetzt ins Kino kommt.
Titelfigur ist der vierzehnjährige Krabat, dessen Mutter an der Pest starb und der bettelnd und frierend durch ein Land zieht, das vom Dreißigjährigen Krieg verwüstet wurde. Ein hellsichtiger Traum führt ihn zu einer abgeschiedenen Mühle, wo ihn der Müllermeister, ein barscher Typ mit Augenklappe, bereits erwartet. Krabat darf bei ihm in die Lehre gehen und ist froh, ein Dach über dem Kopf zu haben, obwohl die Arbeit hart ist und die anderen Gesellen meist feindselig sind.
Doch die Mühle ist auch eine «Schwarze Schule», in der die Müllerei, und «das Andere», die Schwarze Kunst, gelehrt werden. Ein Entkommen ist nur durch den Tod möglich oder durch den größten Zauber, die bedingungslose Liebe einer Frau. Keine Frage: «Krabat» ist starker Tobak, der Kinder wohlig gruseln macht. Statt an die Putzigkeiten Harry Potters erinnert Preußlers lakonischer Roman an die brutalen Märchen der Gebrüder Grimm und an eine böse alte Zeit.
Er basiert auf einer alten sorbischen Volkssage, in der die Schrecken vieler Kriege verarbeitet werden, sich heidnisch-slawischer Aberglaube mit christlichen Erlösungsmotiven vermischt und die Gevattern Tod und Teufel prominente Rollen spielen. Auf einer psychologischen Ebene dreht sich die Geschichte um das Erwachsenwerden und die Loslösung von einer übermächtigen Vaterfigur.
Zumindest ästhetisch kann Regisseur Marco Kreuzpaintner, der mit dem Jugenddrama «Sommersturm» bekannt wurde, diese spezielle schauerromantische Stimmung nachempfinden. Die ursprünglich in der Lausitz angesiedelte Geschichte wurde in der wildromantischen Landschaft der rumänischen Karpaten verfilmt. Die Umgebung erscheint als klammes Feuchtgebiet; die von Schlamm, Lumpen, knarzenden Dielen und rustikalen Speisen geprägte Männerwirtschaft wirkt archaisch.
Gruselmärchen aus der bösen alten Zeit
Hier versteckt sich der Teufel buchstäblich im Detail - in den knarrenden Mühlrädern, die sich schicksalshaft drehen und still stehen, die Mehl und Knochen mahlen. Dem Ensemble, zusammengesetzt aus den bekannten Gesichtern deutscher Jungmimen, steht Christian Redl vor: als unrasierter Müller-Magier im Banne mit dem Teufel, der, mal jovial, mal bedrohlich, seine Gesellen in Schach hält und etwaige Fluchtversuche zu holden Jungfrauen aus dem Dorf gnadenlos ahndet. Unter letzteren ragt, entsprechend der mit verschwindend wenigen Weibspersonen ausgestatteten Vorlage, nur Paula Kalenberg als engelhafte Maid hervor.
Neben Daniel Brühl als gutmütigem Altgesellen Tonda, Robert Stadlober als verschlagenem Lyschko und dem vermeintlich tumben Koch Juro Hanno Koffler wirkt Hauptdarsteller David Kross leider arg blutleer. Stilistisch erscheint die Machart trotz gelungener Kulisse oft merkwürdig ratlos. So sind der pompöse Soundtrack und eine völlig missglückte Actionszene, in der die Gesellen das Dorf vor marodierenden Landsknechten schützen, lediglich dilettantisches Hollywood-Imitat.
Andererseits kann die Inszenierung die im Roman eher tiefgestapelten Zaubertricks mit ihren symbolischen Bedeutungen oft nicht recht zur Geltung bringen. Brennende Buchstaben im Zauberkodex, all die Rituale rund um die magischen Lektionen, oder die Verwandlung der Gesellen in Raben - der mythologisch grundierte Hokuspokus verpufft weitgehend. Auch war Kreuzpaintner nicht gut beraten, die bunteren Romanepisoden wegzulassen, in denen etwa die Müllerburschen mit ihren Zauberkünsten die Dörfler foppen, oder in denen der Meister dem Sachsenfürst seine Aufwartung macht.
Nur ansatzweise schimmert deshalb die faustische Zwiespältigkeit der Erzählung hervor, nach der die Gesellen durchaus Gefallen an ihren Zauberkünsten finden, die sie zu Übermenschen werden lässt, und sie zugleich in einem Teufelskreis gefangen hält. So ist dieser Versuch eines Fantasy-Filmes «Made in Germany» zwar leidlich unterhaltsam, wird der Originalität der Vorlage aber nur ansatzweise gerecht.
