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06. Oktober 2008
Tauchpunkt des deutschen Kinojahres


Frankfurt - Es muss verdammt lustig zugegangen sein im Deutschland des Jahres 1944. Zwar liegen im letzten vollen Kriegsjahr die Städte in Trümmern, an den Fronten sterben unzählige Soldaten und in den Vernichtungslagern der Nazis rauchen die Schornsteine. Doch all das kann den Lockenkopf Atze überhaupt nicht verdrießen: Er macht Schwarzmarktgeschäfte, hat schnellen Sex mit der schönen Frau eines alten hässlichen Generals und versteckt nebenbei noch den befreundeten jungen Juden Samuel in seiner Wohnung in Essen.

Als aber auch der smarte Atze in akute Schwierigkeiten gerät und verfolgt wird, flüchtet er zusammen mit Samuel auf spektakuläre Weise: Die beiden sowie die schöne, mit Berufsverbot belegte Schauspielerin Maria kapern in Südfrankreich ein U-Boot der deutschen Kriegsmarine, das eigentlich für einen absurden Spezialauftrag vorgesehen ist, um damit in den rettenden Hafen von New York zu gelangen. Wer meint, eine solch Handlung könne nur einer bedrohlich gestörten Fantasie entsprungen sein, liegt nicht unbedingt falsch. Doch genau das ist der Inhalt der Komödienklamotte «U 900» aus einheimischer Produktion, die am 9. Oktober in die Kinos kommt.

Inszeniert hat die von den Drehbuchautoren Michael Gantenberg und Oliver Ziegenhals ausgedachte Geschichte der mit zwei sehr erfolgreichen «7 Zwerge»-Filmen bekannt gewordene Sven Unterwaldt. Dem Regisseur ist es tatsächlich gelungen, die Niveaulosigkeit seiner bisherigen Arbeiten nochmals zu unterbieten, leider aber auch die Lachquote. Die 95 Minuten Laufzeit von «U 900» auf der Leinwand sind der Tiefpunkt - oder sozusagen die Tauchstation» - des deutschen Kinojahres 2008 mit besten Aussichten, dies auch die restlichen drei Monate zu bleiben.

Denn was sich als ganz spezielle Hommage von Wolfgang Petersens Klassiker «Das Boot» ausgibt, ist in Wahrheit nur eine mal klamottige, mal zotige, jedoch selten lustige und niemals geistreiche Nummernrevue mit dem TV-bekannten Comedy-Darsteller Atze Schröder als Hauptfigur Atze. Der unangenehm feist und selbstverliebt wirkende Brillenträger mit Ruhrgebietszungenschlag und Dauerlocken ist als selbsternannter U-Bootkapitän im Kriegseinsatz so glaubhaft wie ein Eisbär in Afrika. Aber Glaubwürdigkeit spielt in der Handlung ohnehin keine Rolle. Davon zeugt auch die lächerliche Maskierung von Yvonne Catterfeld mit einem aufgeklebtem Bärtchen. Als Mann verkleidet, schafft es Maria laut Film, gemeinsam mit Atze und dem sanft-linkischen Samuel (Oliver Knuk) ins Boot hineingelassen zu werden.


Auch der Krieg ist für Comedy-Macher kein Tabu mehr

Der kantige Götz Otto mimt den militaristischen Gegenspieler von «Kaleu» Atze, die restliche U-Bootmannschaft besteht aus einer Mischung aus echten Typen und Knallchargen. Die Szenen im Bootsinneren sowie die Trickaufnahmen über und unter Wasser sind handwerklich durchaus akzeptabel und mit erheblichem Aufwand gedreht worden. Unterwaldt genießt nach seinen vorhergehenden Kassenschlagern bei seinen Produzenten eben eine Menge Kredit. Und auch deshalb könnte «U-900» bei einem Publikum, das so ziemlich alles zu schlucken bereit ist, durchaus ein kommerzieller Erfolg werden.

Es war ja abzusehen, dass auch die Nazizeit und der Krieg für die hemmungslosesten Comedy-Macher als Handlungshintergrund nicht mehr tabuisiert sein würden. Mit viel gutem Willen könnte das als Stück deutscher Normalisierung und als Entkrampfungsübungen einer schon deutlich nachgeborenen Generation gedeutet werden. Aber unerträglich ist es, wenn Regisseur Unterwaldt vom Jahrgang 1965 ausgerechnet dieses Machwerk politisch korrekt auch noch als Beitrag zum Kampf gegen "Rechts" glaubt verstehen zu müssen. Er sollte sich auf sein Talent beschränken, Schwachsinn möglichst profitabel auf die Leinwand bringen - «U-900» ist im Kino Zumutung genug.








 
 



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