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06. Oktober 2008
Trauerkundgebungen für getötete türkische Soldaten


Ankara - Die folgenschwersten Kämpfe seit Monaten haben in der türkisch-irakischen Grenzregion 15 Soldaten und mehr als 20 kurdische Rebellen das Leben gekostet. 20 Soldaten wurden nach Regierungsangaben verletzt, zwei weitere wurden noch vermisst. Die türkische Luftwaffe griff am Samstag Stellungen der Rebellen im Norden des Iraks an, wie die Streitkräfte am Sonntag mitteilten. Alle Maschinen seien unbeschädigt zurückgekehrt. Zuvor hatte ein ranghoher türkischer General der politischen Führung des Nordiraks vorgeworfen, die Aufständischen zu unterstützen.

Rebellen griffen laut Militärangaben am Freitag einen militärischen Außenposten in der türkischen Ortschaft Aktütün an, rund zehn Kilometer nördlich der irakischen Grenze. Bei einem Gegenangriff auf Stellungen der Rebellen im Nordirak hätten die türkischen Streitkräfte Flugzeuge und Hubschrauber eingesetzt und mindestens 23 Aufständische getötet.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan brach aufgrund der neuen Gewalt einen Besuch in Turkmenistan ab und kehrte zu einer Krisensitzung in die Türkei zurück. Staatspräsident Abdullah Gül sagte einen für Sonntag geplanten Besuch in Frankreich ab. «Wie hoch der Preis auch sein mag, der Kampf wird in vollem Umfang weitergehen», kündigte er vor einem Treffen mit Generalstabschef Ilker Basbug an.

Das türkische Außenministerium forderte den Irak auf, die kurdischen Rebellen zu verfolgen und künftig ähnliche Angriffe zu verhindern. «Wir erwarten, dass der Irak seiner Verantwortung gerecht wird», erklärte das Ministerium.

Die irakische Regierung verurteilte den Angriff und rief zugleich die Türkei auf, bedacht und mit Zurückhaltung zu reagieren. Präsident Dschalal Talabani schlug nach türkischen Angaben bei einem Gespräch mit seinem Kollegen Gül eine Wiederaufnahme von Sicherheitsgesprächen vor. Auch die Europäische Union, die NATO und die US-Botschaft in Ankara verurteilten den Angriff auf den Militärposten.

Es waren offenbar die folgenschwersten Kämpfe seit Februar. Damals meldete die Türkei nach einer Offensive gegen die Rebellen hunderte Tote. Die kurdische Untergrundorganisation PKK kämpft seit 1984 im Südosten der Türkei und im Norden Iraks für Autonomie. Bei dem Angriff am Freitag setzten die Aufständischen einem Bericht auf der Website der prokurdischen Nachrichtenagentur Firat zufolge auch Raketenwerfer ein. Ein PKK-Sprecher erklärte, der Armeeposten sei von vier Seiten angegriffen worden. Der Kampf gehe weiter.


Zehntausende bei Trauerkundgebungen

Zehntausende Türken versammelten sich am Sonntag in mehreren Städten zu Trauerkundgebungen für die getöteten Soldaten. Bei der Beisetzung eines Getöteten in Diyarbakir wurde vor allem der Ruf nach einem schärferen Vorgehen gegen die Rebellen laut. Vor dem Parlamentsgebäude in Ankara riefen Demonstranten: «Nieder mit der PKK.» In der kommenden Woche entscheidet das Parlament über eine Fortsetzung der Militäroffensive über die Grenze hinweg. Die bisherige Autorisierung der Streitkräfte, in den Irak vorzudringen, läuft am 17. Oktober aus.

Unterdessen warf der stellvertetretende türkische Befehlshaber General Hasan Igsiz der kurdischen Führung im Norden des Iraks vor, sie erlaube den Rebellen, Straßen und Krankenhäuser der Region zu benutzen. «Wir aber erhalten keinerlei Unterstützung von der örtlichen Verwaltung im nördlichen Irak», sagte Igsiz. «Wir hoffen, dass die Führung des Nordiraks einsieht, dass eine Terrororganisation eine Terrororganisation ist und sie die Unterstützung einstellt.»








 
 



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