Im bisher größten Fall von organisiertem Verbrechen in der Schweiz müssen sich zehn mutmaßliche Geldwäscher und Logistiker der internationalen Zigarettenmafia vor dem Bundesstrafgericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft erhob Anklage gegen den Schweizer Ableger der sogenannten Montenegro-Connection.
Qualifizierte Geldwäscherei in Milliardenhöhe sowie Beteiligung an beziehungsweise Unterstützung einer kriminellen Organisation lautet die Anklage gegen die zehn Beschuldigten in der Schweiz, wie die Bundesanwaltschaft am Montag mitteilte. Fünf Schweizer sowie drei Italiener, ein Spanier und ein Franzose sollen in der Schweiz für die Mafia-Organisationen in Kampanien und Apulien eine Drehscheibe eingerichtet haben, über die während mehr als zehn Jahren kriminelle Gelder gewaschen und der internationale Zigarettenschmuggel mit Montenegro abgewickelt wurde.
«Weit über eine Milliarde Dollar gewaschen»
«Seit Beginn der 90er Jahre bis Anfang 2001 wurde praktisch der gesamte Geldfluss des via Montenegro ablaufenden Zigarettenschmuggels der kriminellen Organisationen Camorra und Sacra Corona Unita über den schweizerischen Finanzplatz abgewickelt», schreibt die Bundesanwaltschaft, und weiter: «Es wurden in diesem Zeitraum vornehmlich durch die Investition in den von den kriminellen Organisationen beherrschten italienischen Zigarettenschwarzmarkt Gelder von weit über einer Milliarde US-Dollar gewaschen.»
Der Kreislauf funktionierte laut Bundesanwaltschaft wie folgt: Geldkuriere schleusten riesige Bargeldsummen, darunter namentlich kriminelle Gelder der beiden Mafia-Organisationen, über Tessiner Wechselstuben ins Schweizer Bankensystem. Das Geld wurde Strohmännern und zwischengeschalteten Firmen gutgeschrieben, in Buchgeld umgewandelt und in den legalen Finanzkreislauf eingespeist. Anschließend wurden diese Mittel auf dem weltweiten Parallelmarkt in unversteuerte Zigaretten investiert und die Ware auf dem Luft-, See- und Landweg nach Montenegro transportiert.
