Auf den Standesämtern herrscht am Freitag Hochbetrieb: Die Schnapszahl 08.08.2008 führt mancherorts zu einer Vervielfachung der Zeremonien. «Für viele ist es ein Gag, andere wollen vor ihren Bekannten ein wenig damit prahlen, dass sie einen solchen Termin ergattern konnten. Und für andere ist es dadurch schlichtweg leichter, sich den Hochzeitstag zu merken», sagt Dagmar Heckel, die stellvertretende Leiterin des Nürnberger Standesamtes.
Ihre Behörde muss besonders viele Ehen schließen. 74 Trauungen stehen an, fast fünf Mal so viel wie an einem normalen Tag. Anstelle der üblichen zwei Standesbeamten sind acht im Einsatz; sie trauen im Viertelstundentakt. Heckel hofft, dass die Paare pünktlich kommen. Denn die Trauung an so einem Datum werde auch ohne Verspätungen eine hektische Angelegenheit, sagt sie.
In Magdeburg schließt das Standesamt am Freitag alle Geschäftsbereiche außer den Eheschließungen. 49 Anmeldungen sind eingegangen, die Beamten werden bis in die Abendstunden mit den Heiratswilligen beschäftigt sein. Ähnlich ist es im Standesamt Hamburg-Altona. «Wir machen an diesem Tag nichts anderes», sagt Leiterin Ute Behr. Trotz des großen Aufwands von 24 Trauungen werde es darüber hinaus keine Personalverstärkung geben. Dennoch bekämen die Paare die gleiche Zeit und Aufmerksamkeit wie an anderen Tagen.
Darauf legt auch das Münchner Kreisverwaltungsreferat Wert. «Wir wollen es im würdigen Rahmen veranstalten, wir machen keine Fließbandtrauungen», sagt Sprecher Christopher Habl. Jeder solle eine individuelle Zeremonie bekommen. Deswegen seien für Freitag zwei zusätzliche Beamtenteams bestellt, um die 73 Trauungen abzuhalten. Es sind rund ein Drittel mehr als üblich, die Termine seien schon im Februar großenteils ausgebucht gewesen.
20. August als Ersatzdatum
«Am kommenden Freitag sind in Hannover alle Möglichkeiten zu heiraten vollständig ausgeschöpft», sagt Stadtsprecher Karlheinz Utgenannt. «Es werden sich 69 Paare das Ja-Wort geben.» Normal seien 25. Schon im Oktober 2007 seien die ersten Anmeldungen eingegangen, der Termin am 08.08.2008 schon lange ausgebucht. «Glücklicherweise konnten wir dann noch den 20. August als Ausweichtermin anbieten», sagt Utgenannt. Das Datum 20.08.2008 mache sich schließlich auch gut als Gravur im Ehering.
Besonders beliebt ist die Schnapszahl als Hochzeitstermin offenbar in Nordrhein-Westfalen. «Wir steigern uns von Jahr zu Jahr», sagt die Kölner Amtsleiterin Angelika Barg. Für die 86 Paare - ein Plus von rund 50 Prozent gegenüber normalen Tagen - setzt sie sieben statt fünf Beamte ein. In Bochum ist der Andrang sogar noch größer: 80 statt der üblichen 20 Trauungen werden es sein, wie eine Sprecherin des städtischen Presseamts erklärt. Vor gut einem Jahr, am 7. Juli 2007, sei der Ansturm nicht halb so groß gewesen.
Im Stuttgarter Standesamt Innenstadt wird am 8. August sogar der zweite Trauraum geöffnet, um Platz für die 26 Paare zu haben. An normalen Tagen mit rund zehn Terminen reiche ein Raum, sagt Amtsleiterin Verena Rathgeb-Stein.
Am Starnberger See traut der Bürgermeister mit
Am Starnberger See hilft sogar Bürgermeister Bernhard Sontheim mit aus, um den Andrang zu bewältigen. Acht Paare wollen auf der malerischen Roseninsel «Ja» sagen. Schon Ende 2007 seien die Reservierungen vergeben gewesen, sagt Miriam Witzam vom Standesamt Feldafing. Ausnahmsweise dürften die Beamten auf der Insel eine Stunde länger vermählen, um die Trauungen zu ermöglichen.
Zu den begehrten Plätzen gehört auch der Pilsumer Leuchtturm in Ostfriesland. 19 Paare aus ganz Deutschland wollen sich in der Spitze des rot-gelben Turms trauen lassen, der auch schon in einem Otto-Waalkes-Film als Wohnung des Komikers vorkam. «Wir hätten vergangenen Mai schon die ersten Termine vergeben können», sagt Standesbeamtin Hannelore Jürgler. An anderen Tagen stiegen nur sechs bis sieben Paare die 58 Stufen hinauf. Für Freitag bekommt sie deshalb noch Verstärkung durch einen Kollegen.
Bleibt zu hoffen, dass die Schnapszahl als Hochzeitstag Glück bringt: Laut Statischem Bundesamt wurden 2006 rund 200.000 Ehen wieder geschieden.
