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06. August 2008
Nahaufnahme Öko-Diktatur in der Familie


Frankfurt - Die Familie Schuhmann-Weihl lebt ökologisch korrekt. Doch genau das ist das große Problem von Thomas-Albert, dem ältesten der beiden Söhne des Lehrerehepaares aus Norddeutschland. Denn der junge Mann, der im örtlichen Krankenhaus seinen Zivildienst ableistet, ist seit frühester Kindheit umgeben von Ängsten und Verboten. Dazu ist der langaufgeschossene Schlacks geplagt von einer Regenphobie, neurotischen Ängsten und auch noch allergisch gegen tiefgefrorene Früchte.

Am meisten leidet Thomas-Albert allerdings an seiner ständig hysterisch überbesorgten Mutter Beate, die überall neue Umwelt- und Ernährungsgefahren wittert. Kurzum: Es wird höchste Zeit für den schüchternen Zivildienstleistenden mit dem melancholischen Gesicht, sich von dieser Familie zu lösen. Wie er das macht, zeigt der neue deutsche Film «Die Eisbombe», der ab dem 7. August 2008 in die Kinos kommt. Es ist das Leinwanddebüt des 1969 in Oldenburg geborenen Regisseurs Oliver Jahn, der zusammen mit Stéphane Bittoun auch das Drehbuch der 95-minütigen schwarzen «Bio-Komödie» verfasst hat.

In der Hauptrolle des Thomas-Albert zeigt der ebenfalls aus Oldenburg stammende Eike Weinreich in seinem ersten Kinofilm eine beeindruckende Talentprobe an der Seite der schon renommierten Karoline Eichhorn als seine nervige Filmmutter Beate. Gegen deren erbitterten Widerstand und auch den eher matten Protest seines viel zu weichen Vaters Jörg bezieht Thomas-Albert ein Zimmer im Krankenhaus, um endlich eigenständig leben zu können. Doch schon bald nach diesem notwendigen Befreiungsakt stürzt ein rätselhafter Eisblock ausgerechnet ins Dach des Einfamilienhauses der Schuhmann-Weihls. Zwar kommen die Bewohner mit dem Schrecken davon, doch von nun an ist die familiäre Katastrophe programmiert.

Erste Hälfte sehenswerter

Zuerst aber erfolgt die von Mutter Beate generalstabsmäßig durchgeführte Evakuierung von Ehemann Jörg und dem kleinen Sohn Günter in den hauseigenen Bunker unter dem Garten. Das ist zwar absurd, doch solange die Herkunft des mysteriösen Geschosses nicht geklärt ist, wollen die Schuhmann-Weihls nicht das Risiko eingehen, im demolierten Eigenheim verstrahlt oder von unsichtbaren Schadstoffen vergiftet zu werden. Nicht nur damit wird der geflüchtete Sohn konfrontiert, auch die Begegnung mit dem flotten Mädchen Lucie, gespielt von Katharina Schüttler, verändert sein Leben.

Regisseur Jahn erzählt in «Die Eisbombe» mal sarkastisch, mal satirisch, aber nicht immer auf gleichbleibendem Niveau die Geschichte einer jugendlichen Ich-Werdung. Die Seitenhiebe auf den Öko-Wahn mancher Zeitgenossen sind oft witzig, die Charakterisierung von Mutter Beate grenzt aber schon an Bösartigkeit. Für diese Figur hält der Film auch noch einen makaberen Knalleffekt am Ende bereit. Doch zu dem Zeitpunkt hat sich die Handlung schon zu sehr verzettelt, um den Zuschauer noch richtig bannen zu können. Durchaus sehenswert ist hingegen die erste Hälfte. Autobiografische Hintergründe verneint Jahn übrigens: «In meiner Familie sind Gott sei dank alle nur seltsam.»






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