«Die Musik ist die beste Gottesgabe - und dem Satan sehr verhasst», sagte Martin Luther in einer seiner Tischreden. Dass er selbst einmal Mittelpunkt eines Musicals sein würde, hätte sich der große Reformator aber sicher nicht gedacht. In Erfurt, wo Luther schon mit einer Oper ein musikalisches Denkmal gesetzt wurde, hatte nun am Samstagabend auf den Domstufen das Musical «Martin L.» seine Uraufführung. Mit großem Beifall und Bravo-Rufen nahm das Erfurter Publikum die Inszenierung mit Pyrotechnik, Nebelmaschinen, Rockmusik und Lautenklängen auf.
Das Spektakel fand vor der großartigen Kulisse von Mariendom und St. Severi statt. Riesige Nägel, die wie in die Stufen gerammt wirkten, dominierten das Bühnenbild, auf dem die Akteure die Jugend- und Studienjahre des Reformators, der in Erfurt studierte, bis zu den Wirren des Bauernkrieges in einem geradezu atemberaubenden Tempo aufführten.
Die Grundlage für das Musical schuf das erfolgreiche norwegische Autorengespann Gisle Kverndokk als Komponist und Oystein Wiik als Librettist. Die musikalische Leitung lag in den Händen des Kanadiers Philip Tillotson. Die Gesamtleitung hatte Generalintendant Guy Montavon, ein Schweizer, der nach eigenen Worten davon überzeugt ist, dass dieses Musical einmal um die Welt gehen wird.
Das Philharmonische Orchester, der Chor, eine Rockgruppe und die Sänger um den Norweger Yngve Gasoy-Romdal in der Titelrolle gaben ihr Bestes, und so war ein anspruchsvolles, modernes Musical zu sehen, das im Grunde Heterogenes zu verbinden suchte: Rockmusik und Lautenspiel aus der Renaissance, Anklänge an klassische Musik und Luthers Kirchenlied «Ein feste Burg ist unser Gott».
Beeindruckende Bilder
Auch in der Musicalhandlung wurden die künstlerischen Freiheiten reichlich genutzt. Die Schöpfer spielten mit dem historischen Material: Sie erfanden eine Liebesgeschichte zwischen dem Studenten Martin und der Erfurter Bürgerstochter Ursula Schalbe, die nach dem Willen ihres Vaters mit einem reichen Mann verheiratet werden sollte. Natürlich fehlte auch das berühmte Gewitter nicht, in dem Martin gelobte, ein Mönch zu werden.
In beeindruckenden Bildern, bei denen Nebelmaschinen und Pyrotechnik in vollem Einsatz waren, lief das Musical ab, wobei die historischen Fakten die Wegpunkte vorgaben, gewissermaßen wie die riesigen Nägel des Bühnenbildes: Der Kampf gegen den Ablasshandel und gegen die Machenschaften des Papstes Leo, schließlich der Thesenanschlag in Wittenberg, die Vorladung zum Wormser Reichstag, und die Verurteilung durch Papst und Kaiser, Thomas Müntzer und der Bauernkrieg.
Erst vor fünf Jahren war das neue Erfurter Theater mit der Oper «Luther» eingeweiht worden. Nun, zu den Domstufenfestspielen, erscheint der Reformator wieder in Erfurt, diesmal als Musical und an einem Ort, an dem der Reformator lebte, in seiner geistigen Heimat. Der von Generalintendant Montavon erhoffte Welterfolg wäre dem Musical sicher, wenn das Ensemble auch die beeindruckende Kulisse von Mariendom und St. Severi mitnehmen könnte.
