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06. Juli 2008

Bausparen als Geldanlage: Kein Rendite-Hit



Bremen - Jungendliche ab 16 Jahren werden derzeit massiv von Banken und Bausparkassen umworben. Sie sollen bis zum Jahresende noch Bausparer werden, um sich die Wohnungsbauprämie vom Staat zu sichern - ohne Zwang, später bauen oder eine Immobilie kaufen zu müssen, argumentieren die Unternehmen. Allerdings ist die Rendite beim Bausparen als reine Geldanlage Experten zufolge eher mager.

Ursprünglich sollte es die Förderung 2009 nur noch für wohnungswirtschaftliche Zwecke geben, nicht mehr für die reine Geldanlage. Die Bundesregierung hat jetzt doch anders entschieden. Künftig gilt: Wer vor seinem 25. Geburtstag neuer Bausparer wird, bekommt die Prämie weiterhin auch dann, wenn er mit dem Ersparten gar nicht bauen will.

Nach Einschätzung von Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen ist Bausparen als pure Geldanlage derzeit aber nicht rentabel. Die Rendite bei den meisten Anbietern sei zu mager. Daran ändere auch die Wohnungsbauprämie nichts. Wer profitiere, seien vor allem die Anbieter selbst. Momentan schließen rund 650.000 Jugendliche unter 25 alljährlich einen Vertrag ab, erläutert der Verband der Privaten Bausparkassen.

Gottschalk rät, das Geld anderweitig deutlich besser verzinst und weitaus flexibler anzulegen - staatliche Zulage hin oder her. «Trotz Förderung ist man am Ende ärmer als über normales Sparen», hat der Fachmann berechnet. Wer sein Geld in einem Bausparvertrag anlege, «zahlt obendrauf.»

«Da kommt nicht viel bei rum», rät auch Jörg Sahr von «Finanztest» zur Besonnenheit. Junge Menschen, die wirklich vorhaben, später zu bauen, sollten zu diesem Zeitpunkt nicht zugreifen. Sondern abwarten, bis die ersten Riester-Bausparverträge auf dem Markt sind. Erspartes aus dem sogenannten Wohn-Riestern darf künftig zum Immobilienerwerb verwendet werden.

Mickrig: 1,8 Prozent Gewinn

Die Wohnungsbauprämie ist eine Art Belohnung des Staates fürs Bausparen. Grundsätzlich kann sie momentan von Schülern ab 16 Jahren, von Studenten, Angestellten oder auch Rentnern beantragt werden - Hauptsache, sie sind keine Großverdiener. Die Einkommensgrenze liegt für Ehepaare bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 51.200 Euro, für Singles bei 25.600 Euro.

Wer die Kriterien erfüllt, bekommt vom Staat 8,8 Prozent Prämie auf eine jährliche Sparleistung von höchstens 1.024 Euro (Eheleute) und 512 Euro (Ledige). Pro Jahr wird ein junger Bausparer also mit bis zu 45 Euro gefördert, Verheiratete mit maximal 90 Euro.

Rendite-Sparer müssen allerdings eine Sperrfrist von sieben Jahren durchhalten können. Erst danach dürfen sie frei über ihr Guthaben verfügen. Vorher darf das Geld nur zur Baufinanzierung verwendet werden. Sonst gehen alle Prämien verloren.

Folgendes Beispiel Gottschalks soll verdeutlichen, warum sich Rendite-Bausparen momentan nicht lohnt: Legt sich ein junger Mensch einen klassischen Vertrag einer Landesbausparkasse zu, muss er zu Beginn eine Abschlussgebühr von 1 Prozent zahlen. Der Guthabenzins in der Ansparphase liegt bei mageren 1,5 Prozent. Angenommen, der Anleger wählt eine Sparsumme von 24.000 Euro mit monatlicher Sparrate von 100 und jährlichem Zuschuss von 45 Euro. Nach 15 Jahren lässt er sich sein Guthaben auszahlen. Dann beträgt das Ersparte inklusive Förderung 20.615 Euro.

Das entspreche einer Verzinsung von 1,8 Prozent, bezogen auf die eigene Sparleistung, rechnet der Verbraucherschützer vor. Zum Vergleich: Momentan gibt es Tagesgeldkonten, die mit üppigen 4 bis 5 Prozent Zinsen locken. «Das wäre mit ziemlicher Sicherheit das bessere Geschäft», betont der Verbraucherschützer.

Vorbei mit Rendite-Schätzchen

Wer sich trotz allem einen Vertrag zulegen will, sollte nach folgenden Eckpunkten Ausschau halten: Eine hohe Verzinsung in der Sparphase (etwa 3 Prozent sollten es schon sein), geringe Abschlussgebühren sowie eine kleine Bausparsumme. Optimal ist das 10fache der geförderten Summe. Für Ledige wären das also etwa 5.000 bis 6.000 Euro,. Nur unter diesen Voraussetzungen sei ein ordentlicher Gewinn drin, meint Sahr. Das Problem: «Im Moment gibt es kaum einen solchen Tarif», sagt Gottschalk.




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