"Englischer Harem": Vielehe darf nur ein Traum sein

veröffentlicht am 06.03.2008


Mitten in einem edlen Londoner Vorort in der heutigen Zeit: Ein Mann lebt mit drei Frauen in einem prachtvollen Haus, nach alter persischer Tradition. In seinem Roman «Englischer Harem» schildert der Neuseeländer Anthony McCarten eine ungewöhnliche Viererbeziehung, die für die Beteiligten ein ideales Lebensmodell bedeutet, doch von der Gesellschaft torpediert wird.

 

Kommentare: 0

 

Frankfurt - Mitten in einem edlen Londoner Vorort in der heutigen Zeit: Ein Mann lebt mit drei Frauen in einem prachtvollen Haus, nach alter persischer Tradition. In seinem Roman «Englischer Harem» schildert der Neuseeländer Anthony McCarten eine ungewöhnliche Viererbeziehung, die für die Beteiligten ein ideales Lebensmodell bedeutet, doch von der Gesellschaft torpediert wird.



Die 20-jährige Tracy Pringle fristet ein trostloses Leben. Sie lebt bei ihren Eltern im 23. Stock eines heruntergekommenen Wohnblocks, arbeitet in einem Supermarkt als Kassiererin und hat einen Freund, der sie betrügt. Sie flüchtet sich in Tagträume. Als sie deswegen ihren Job verliert, wendet sich plötzlich das Blatt: Tracy findet eine neue Arbeit, eine neue Familie und eine neue Liebe - alles in einem persischen Restaurant.


Der iranisch stämmige Restaurantbesitzer Saaman Sahar, genannt Sam, ist zunächst nur Tracys charmanter und gebildeter Chef. Dann wird aus gegenseitigem Verständnis Liebe. Doch Sam hat schon zwei Frauen. Allerdings sind diese Beziehungen rein platonisch und waren keine Liebesheiraten: Nach dem Tod seines Bruders nahm Sam dessen Frau und ihre vier Kinder als seine Familie an. Später kam die Witwe eines Mannes hinzu, der bei einem von Sam verschuldeten Autounfall ums Leben kam.


Tracy wird Sams dritte Frau, und es beginnt eine kurze Zeit voller Glück und Harmonie. Während das Arrangement für alle Beteiligten bereichernd ist, nimmt die Außenwelt zunehmend Anstoß daran. Tracys Eltern, die Presse und das Jugendamt können das Lebensmodell nicht akzeptieren, es kommt sogar vor Gericht.


Sam, der als Oxford-Absolvent und Mitglied eines anglikanischen Kirchenchors englischer ist als viele Engländer, kämpft für sein Leben. Er glaubt an das Recht, anders leben zu dürfen. Schließlich ist England für Sam die Heimat aller höflichen Umgangsformen, der Inbegriff des gesunden Menschenverstands und die fortschrittlichste Kultur, die der Westen zu bieten hat. Und schließlich hat er statt der nach islamischem Recht erlaubten vier Ehefrauen nur drei und diese zur Vermeidung von Polygamie-Vorwürfen nicht nach englischem Recht geheiratet. Doch die Realität sieht anders aus und macht der unbeschwerten Zeit ein Ende. Dann fällt Sam auch noch dem Rachezug von Tracys Exfreund zum Opfer.


«Englischer Harem» ist der zweite Roman von McCarten, der in Deutschland bekannt wurde mit der Verfilmung seines Theaterstücks «Ladies Night», dem Kassenschlager «Ganz oder gar nicht». Das neue Buch hat den typischen McCarten-Charme: Es erzählt eine tragische Geschichte mit viel Gefühl und feinem Humor. Dem Autor gelingt ein sensibles Plädoyer für Toleranz und Offenheit, gegen Doppelmoral, Neid und Sensationsgier. Die Originalausgabe wurde 2005 in England ein Bestseller und fürs Fernsehen verfilmt. Auch im Nahen Osten sorgte diese märchenhafte Liebesgeschichte mit der guten Portion Gesellschaftskritik für Furore. (Simone Utler)


(Diogenes, März 2008, ISBN 3-257-06640-6, 592 Seiten, 21,90 Euro)


  (© AP)



Schreiben Sie ein Kommentar! 

Kommentar zum Thema ""Englischer Harem": Vielehe darf nur ein Traum sein"

  Max. 25 Zeichen
 
 
 
  Sicherheitscode

Nur Kleinbuchstaben und Zahlen

 
 

 

Twitter