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06. Januar 2009

Tragisches Ende eines erfolgreichen Unternehmers



Frankfurt - Am Ende trieb ihn die Finanzmarktkrise in den Freitod: Der Milliardär und Großunternehmer Adolf Merckle, dessen Lebenswerk den Aufbau eines 100.000 Mitarbeiter zählenden Firmenimperiums umfasst, nahm sich am Montagabend das Leben. Die Familie des 74-jährigen sprach in einer ersten Reaktion von wirtschaftlicher Notlage der Merckle-Firmen und der «Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können». Merckle fand offensichtlich nicht aus der Finanzklemme heraus, in die sein verschachteltes Firmenimperium geraten war.

Der öffentlichkeitsscheue Unternehmer galt als einer der reichsten Deutschen. Zu den Unternehmen des Familienclans gehören neben der Pharmasparte mit Ratiopharm, der Merckle GmbH und dem Pharmahändler Phoenix auch der Baustoffkonzern HeidelbergCement, der Fahrzeughersteller Kässbohrer, bekannt für seine Pistenbullys zur Präparierung von Skipisten, sowie zahlreiche weniger bekannte Firmen unter anderem im Maschinenbau.

Merkle wurde am 18. März 1934 in Dresden geboren. 1967 übernahm der Jurist die vom Vater Ludwig Merckle in Blaubeuren nach Enteignung und Vertreibung aus dem Sudentenland neu aufgebaute Familienfirma, die vor allem im Arzneimittelsektor tätig war. 1974 importierte er aus den USA die Idee der Produktion billiger Nachahmerpräparate nicht mehr patentrechtlich geschützter Arzneimittel. Anfang der 90er Jahre schaffte Ratiopharm nach anfänglichen Problemen den Durchbruch am Markt.

Merckle kaufte mit seiner VEM Vermögensverwaltung zahlreiche weitere Firmen, darunter nach dem Fall der Mauer im Jahr 1989 die sächsische Motorenfabrik VEM und 2005 HeidelbergCement. Seine Söhne Ludwig und Philipp Daniel waren zeitweise in der Geschäftsführung seiner Firmen tätig.

Hohe Verluste mit VW-Aktien

Ins Rutschen kam das Imperium, in dem zuletzt rund 100.000 Mitarbeiter etwa 35 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten, im Herbst 2008. Merckle räumte im November nicht genau bezifferte Verluste durch Spekulation mit VW-Aktien ein. Unbestätigte Berichte sprachen von bis zu einer Milliarde Euro. Zudem waren einige von Merckles Firmen hoch verschuldet. Da die Aktien im Zuge der Finanzkrise drastisch an Wert verloren, verlangten die Banken mehr Sicherheiten für ihre Kredite.

Seit Wochen kämpfte Merckle um die Absicherung seiner Unternehmen. Ende Dezember teilte Merckles Holding VEM mit, mit 30 Gläubigerbanken sei ein Stillhalteabkommen geschlossen worden. Eine endgültige Lösung war damit aber nicht erreicht, mehrfach wurde über den Verkauf von Unternehmen wie der Ratiopharm spekuliert.

Privat ein bescheidener Mensch

Der Multimilliardär Merckle galt privat als bescheidener Mensch. Mit seiner Frau Ruth hatte er die Söhne Ludwig, Philipp Daniel und Tobias sowie die Tochter Jutta. Merckle zeichnete sich durch vielfältiges Engagement für Umweltschutz und soziale Belange aus, war zudem begeisterter Bergsteiger. In jüngeren Jahren bezwang er zehn Sechstausender.

Am Montagabend wurde Merckle in der Nähe von Ulm von einem Zug erfasst. «Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet», teilte die Familie am Dienstag mit.




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