Mit Geschichten von Robotern und Vampiren hat sich der Verlag IDW aus San Diego einen Namen gemacht. In diesen Tagen stellt er zwei neue Comic-Helden vor: Barack Obama und John McCain. Die beiden Hauptpersonen sollen allerdings keinesfalls in die Fußstapfen der seelenlosen und blutsaugenden Figuren früherer Veröffentlichungen treten. Vielmehr geht es um Leben und Hintergrund der beiden US-Präsidentschaftskandidaten.
«Wir machen hier keine Sensationsgeschichten», betont IDW-Projektbetreuer Scott Dunbier. «Wir halten uns an die Fakten.» Weder das Wahlkampfteam der Demokraten Obamas noch McCains Republikaner seien an der Entwicklung der Bücher beteiligt gewesen. Die Recherche für die Comics sowie die Illustration übernahm in beiden Fällen ein Team aus erfahrenen Autoren und Zeichnern.
Comic-Biografien sind nichts Ungewöhnliches auf dem Markt. So landete der Marvel-Verlag 1982 einen Bestseller mit der gezeichneten Lebensgeschichte von Papst Johannes Paul II. Aber Dunbier ist überzeugt, dass sein Unternehmen dennoch Neuland betritt: Beide Präsidentschaftsbewerber würden Wochen vor der Wahl im November in gründlich recherchierten Comics vorgestellt, sagt er. Diese Bücher könnten manche Wähler vermutlich besser erreichen als andere Medien. «Ich glaube, dass Comics wirklich die Möglichkeit haben zu informieren.» Sie könnten auf jeden Fall mehr leisten, als erfundene Geschichten von Superhelden zu verbreiten.
Breitschultrig vor der US-Flagge
Immerhin die Titelseiten lassen Anklänge an die klassischen Heldenstorys erkennen: Sowohl Obama als auch McCain sind breitschultrig und mit den Händen in der Hüfte vor der US-Flagge zu sehen. Doch hier gibt es bereits den ersten Unterschied. Während Obama vor blauem Himmel posiert, haben sich die Wolken hinter McCain rötlich verfärbt.
Anhänger McCains hätten schon protestiert, dass dies ihrem Kandidaten eine bedrohliche Aura verpasse, berichtet der für die Titelbilder verantwortliche Zeichner J. Scott Campbell. Demokraten hingegen hätten sich beschwert, dass Obama so ernst schaue, während McCain lächelnd dargestellt sei.
Er habe erwartet, dass es bereits im Vorfeld Einwände gegen seine Zeichnungen geben werde, räumt Campbell ein. Aber er habe als Vorlage einfach Bilder der Politiker genommen, die er im Internet gefunden habe - und darauf blicke Obama nun einmal ernster. Auch für den roten Himmel hat Campbell eine schlichte Erklärung. Rot sei schließlich die Farbe der Republikaner und Blau die der Demokraten.
«Ich habe mich wirklich bemüht, besonders sensibel für solche Dinge zu sein», sagt Campbell. Er habe vermeiden wollen, dass aus dem Titelbild Voreingenommenheit spricht. Eine Parteinahme sei schließlich nicht Sinn und Zweck der Bücher.
Auf kontroverse Fakten nicht verzichtet
Die Autoren der Comics betonen übereinstimmend, dass sie auf kontroverse Fakten nicht verzichtet hätten. Er sei beim Schreiben beeindruckt gewesen von McCains Erfahrung aus dem Vietnamkrieg, räumt Andy Helfer ein. Doch er habe auch wenig schmeichelhafte Episoden aus dem Leben des Senators verarbeitet. Der Autor des Obama-Comics, Jeff Mariotte, berichtet, er habe sich auf Szenen aus dem Leben des Politikers konzentriert, aber auch Gerüchte über Obamas Vergangenheit nicht unter den Teppich gekehrt, die die politischen Gegner ohnehin auszuschlachten versuchten.
In die Läden sollen die Bücher am 8. Oktober kommen. Zeitgleich soll es auch möglich sein, die Geschichten auf Mobiltelefone herunterzuladen.
