In Bayamo im Osten Kubas ist der Peso plötzlich etwas wert: Es gibt Burger, Eis und Cocktails zu erschwinglichen Preisen, und sogar Restaurantbesuche und Disco-Abende sind für Durchschnittsverdiener kein Tabu mehr. Hintergrund ist der Versuch der Regierung, der einheimischen Währung tatsächliche Kaufkraft zu verleihen.
«Es ist, als ob man in Dollars bezahlt», sagt Ernesto Aldana von der Piano Bar in Bayamo. Touristen- und Luxusgüter sind sonst in der Regel nur mit starker Währung erhältlich - früher war es der Dollar, seit vier Jahren hat der Peso Cubano Convertible (CUC) als Parallelwährung zum normalen Peso die Aufgabe des Dollars übernommen. Der CUC ist an den Kurs der US-Währung geknüpft und 1,08 Dollar wert. Der normale Peso hat einen Wert von nicht einmal fünf US-Cent.
«Normalerweise gibt es große Unterschiede zwischen der Qualität, die Ausländer erhalten, und dem Service für Kubaner», erklärt Isodro Alonso von der Kommunistischen Partei in Bayamo. «Wir arbeiten daran, das zu ändern.» In weiten Teilen Kubas ist es beispielsweise keine Seltenheit, dass die Speisekarten in Peso-Restaurants stark ausgedünnt sind. Immer wieder sind die Kartoffeln aus oder die Nudeln oder sonstige Zutaten.
In Bayamo werden nun Abendessen, wie sie sich sonst nur Touristen und reiche Kubaner leisten, für ein paar Pesos serviert. Leckere Sandwiches sind schon für einen halben Peso erhältlich, ein Cuba Libre kostet in der Piano Bar 4,80 Pesos. «Fast alle Besucher sind zuerst überrascht», sagt Ernesto Aldana. «Die Musik ist gut. Die Cocktails sind stark.»
Während oft auch die Monatslöhne im öffentlichen Dienst - durchschnittlich rund 400 Pesos - nicht für den alltäglichen Lebensmittelbedarf reichen, profitieren die Mitarbeiter in Bayamo nun vom Experiment der Zentralregierung. Die Bemühungen um hohe Qualität zu niedrigen Preisen müssen allerdings kräftig bezuschusst werden. Trotz steigender Lebensmittelpreise und der Ausfälle aufgrund der Hurrikane Gustav und Ike läuft das Experiment Bayamo offenbar so erfolgreich, dass die Regierung bereit ist, in diesem Jahr wieder zehn Millionen US-Dollar (etwa 7,2 Millionen Euro) in die Förderung der Peso-Unternehmen fließen zu lassen.
Attraktive Provinz
«Normalerweise geht man ohne harte Währung nicht in Restaurants», sagt Vilna Lopez aus Bayamo. «Man geht Freitagabend nicht aus. Aber hier ist es möglich.» Die Attraktionen locken zahlreiche Besucher aus dem Umland. Selbst aus der hunderte Kilometer entfernten Hauptstadt Havanna zieht es Kunden in die Provinz. «Ich würde diesen Ort gern mit nach Hause nehmen, und ich komme aus Havanna», schwärmt Alexey Rodriguez.
Auch in der Vergangenheit hat die Regierung Provinzregionen ausgewählt, um mögliche wirtschaftliche Veränderungen auszutesten. Die Förderung der Peso-Angebote in der 140.000-Einwohner-Stadt Bayamo nahm die Kommunistische Partei 2005 in Angriff. Eine Ausweitung des Projekts jedoch kommt derzeit zu teuer. Und auch die subventionierten Peso-Geschäfte in Bayamo kann sich noch immer nicht jeder leisten.
Auf die Angebote angesprochen, schüttelt Ana Luisa Gonzalez entmutigt den Kopf. Als Straßenkehrerin verdient sie 225 Pesos im Monat, das sind nicht einmal zehn Euro. Ein großes Stück Käse koste 80 Peso, rechnet sie. «Wenn ich zwei Käse und zwei Joghurts kaufe, ist mein Gehalt schon weg. Und dann?»
