Nach dem Abzug von Hurrikan «Gustav» ist die Ölproduktion im Golf von Mexiko wieder aufgenommen worden. Tausende Arbeiter kehrten am Donnerstag auf die Förderinseln vor der US-Küste zurück. Auch viele Raffinerien kurbelten ihre Produktion wieder an. Der Ölpreis hielt sich unterdessen knapp unter der Marke von 108 Dollar. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl kostete am Freitagmorgen im elektronischen Handel an der New Yorker Börse 107,72 Dollar und lag damit 17 Cent unter dem Schlusskurs vom Vortag.
Der Markt blickt derzeit gespannt auf ein für nächsten Dienstag in Wien angesetztes Treffen der OPEC. Experten gehen davon aus, dass die Förderländer Maßnahmen ergreifen werden, um den Ölpreis nach seiner Rutschpartie der vergangenen Wochen zu stützen. Die OPEC hat bereits angedeutet, die Marke von 100 Dollar sichern zu wollen.
Der Ölpreis ist seit seinem Höchststand von gut 147 Dollar Mitte Juli um rund 27 Prozent abgesackt. Einer der Gründe ist die Erstarkung des Dollars. Am Freitag kostete der Euro knapp 1,43 Dollar, während er Mitte Juli noch bei fast 1,60 Dollar gestanden hatte. Ein starker Dollar zieht vermehrt Investoren an, die dann ihre Anlagen aus Rohstoffen abziehen.
Nächste Wirbelstürme bereits über Atlantik
Den Preis drückte außerdem, dass der Tropensturm «Gustav» weniger stark war als befürchtet und die Produktionsstätten im Golf von Mexiko weitgehend verschonte. Die sicherheitshalber geschlossenen Anlagen konnten nach wenigen Tagen wieder in Betrieb genommen werden. Vor drei Jahren hatten die Hurrikans «Katrina» und «Rita» die Anlagen für mehrere Wochen lahmgelegt. Doch die Sturmgefahr ist in dieser Hurrikansaison noch nicht gebannt: Über dem Atlantik warten bereits die Wirbelstürme «Hanna», «Ike» und «Josephine».
Unterdessen zeigt der wöchentliche Bericht der US-Energiebehörde über die Vorräte im Land ein sehr gemischtes Bild: Die Bestände der USA an Rohöl und Destillaten wie Diesel und Heizöl schrumpften demnach um 1,9 Millionen beziehungsweise 400.000 Barrel. Experten hatten jedoch jeweils einen deutlichen Anstieg vorhergesagt. Auch die Benzinvorräte gingen zurück, allerdings mit einer Million Barrel nur knapp halb so stark, wie Analysten erwartet hatten.
