Zu Ursachen und Verlauf von Krebserkrankungen kursieren weltweit viele Vorurteile. Gerade in den Industrieländern wird der Einfluss von Umweltfaktoren überschätzt, wie eine Befragung von fast 30.000 Personen aus 29 Ländern zeigt. Stattdessen ignorieren viele Menschen, dass ihr eigenes Verhalten das Erkrankungsrisiko stark beeinflusst.
In der Umfrage, die die Internationale Union gegen Krebs (UICC) auf dem Weltkrebskongress in Genf vorstellte, glaubten 42 Prozent der Menschen aus den Industrieländern nicht, dass Alkoholkonsum das Krebsrisiko erhöht. Dagegen gaben 59 Prozent an, dass Obst und Gemüse das Erkrankungsrisiko senken. Der Zusammenhang zwischen hohem Alkoholkonsum und Tumorleiden ist jedoch klarer belegt als die Schutzfunktion durch Obst und Gemüse.
Die meisten Menschen in den Industrieländern gaben dagegen an, Stress steigere die Gefährdung. Ein solcher Zusammenhang ist bisher nicht nachgewiesen. Generell fühlten sich die Befragten stärker durch Einflüsse bedroht, die ihrer Kontrolle entzogen waren wie etwa Umweltverschmutzung, während sie verhaltensbezogenen Faktoren wie etwa Alkoholkonsum oder Übergewicht eher eine geringe Rolle zuschrieben.
In weniger wohlhabenden Ländern ging fast die Hälfte der Befragten davon aus, gegen Krebs ließe sich nicht viel unternehmen. Diese fatalistische Einstellung halten die Forscher nach Angaben der UICC für besonders verhängnisvoll, weil sie die Menschen davon abhalte, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen.
