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05. September 2008
Terrorgruppe plante Anschläge in sechs deutschen Städten


Karlsruhe - Die letztes Jahr im Sauerland festgenommene Terrorgruppe hatte laut Bundesanwaltschaft sechs deutsche Großstädte sowie die US-Basis Ramstein als Anschlagsziele im Visier. Die Ermittler nannten am Freitag erstmals Details aus der Anklageschrift gegen die drei Männer, die Anschläge «mit einer möglichst hohen Opferzahl» geplant hätten. Mögliche Tatorte seien Frankfurt am Main, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Stuttgart und München sowie das rheinland-pfälzische Ramstein gewesen.

Die Gruppe habe Gaststätten, Pubs, Diskotheken und Flughäfen für Anschläge in Betracht gezogen. Diese hätten vor der Entscheidung des Bundestages über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr am 12. Oktober 2007 stattfinden sollen.

Das Trio war am 4. September 2007 in einer spektakulären Aktion im sauerländischen Medebach-Oberschledorn festgenommen worden. Schon vor der Festnahme hatten Ermittler heimlich die zwölf Fässer mit Chemikalien für den Bombenbau ausgetauscht, um jede Gefahr für die Bevölkerung auszuschließen.

Männer wollten «für Heiligen Krieg tätig werden»

Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz und Daniel Schneider sowie dem Türken Adem Yilmaz Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, Mitgliedschaft - sowie bei Gelowicz Rädelsführerschaft - in einer inländischen terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens sowie Verabredung zum Mord und zu einem Sprengstoffverbrechen vor. Schneider wird darüber hinaus versuchter Mord und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zur Last gelegt, weil er bei seiner Festnahme geschossen haben soll.

Von Mitte 2006 bis zu ihrer Festnahme seien die Männer Mitglieder der Islamischen Dschihad Union gewesen, die Kontakte zur Al Kaida unterhalte. Nach ihrer Ausbildung im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet seien sie nach Deutschland zurückgekehrt, um «hier im Sinne der Dschihad Union selbst für den "Heiligen Krieg" tätig zu werden». Auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung steht eine Höchststrafe von zehn Jahren. Versuchter Mord kann mit einer lebenslangen Haftstrafe geahndet werden.

Herstellung einer hochexplosiven Mischung

Insbesondere Fritz Gelowicz habe ab Dezember 2006 mit Anschlagsvorbereitungen begonnen. Bis Juni habe er neun Fässer 35-prozentiger Wasserstoffperoxid-Lösung gekauft und gelagert. Im Juli habe er drei weitere Fässer gekauft, deren Inhalt allerdings bereits von Ermittlern ausgetauscht gewesen sei - wie inzwischen auch bei den bereits gelagerten Fässern.

Ab dem 31. August hätten die Männer dann in dem Ferienhaus damit begonnen, Wasserstoffperoxid-Lösung aufzukochen. «Die von ihnen bezogene Menge hätte eine explosive Mischung von 550 Kilogramm ergeben, vergleichbar mit der Sprengkraft von etwa 410 Kilogramm TNT», schrieb die Bundesanwaltschaft.

Diese Angabe sei das Ergebnis neuer Berechnungen, sagte ein Sprecher. Zuvor war von 550 Kilogramm TNT die Rede gewesen. Zur Größenordnung der verhinderten Anschläge hatte Bundeskriminalamts-Präsident Jörg Ziercke vor einem Jahr gesagt: «Diese Menge hätte ausgereicht, um Sprengsätze mit einer höheren Sprengkraft als bei den Anschlägen in Madrid und London zu konstruieren.»

Prozessbeginn wohl nicht vor November

Das Oberlandesgericht Düsseldorf teilte mit, es habe die Anklageschrift an die Verteidiger zustellen lassen. Beobachter erwarten einen Prozessbeginn innerhalb des kommenden halben Jahres, frühestens jedoch in zwei Monaten.








 
 



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