Der erstarkte Dollar drückt auf den Ölpreis. Ein Barrel Rohöl kostete am Freitag weniger als 107 Dollar. Ebenfalls entspannend auf den Kurs wirkte sich aus, dass nach dem Abzug von Hurrikan «Gustav» die Ölproduktion im Golf von Mexiko wieder aufgenommen wurde.
Doch der Höhenflug des Rohstoffpreises im ersten Halbjahr zeigt inzwischen auf dem US-Automarkt seine Wirkung: Weil die Amerikaner derzeit kleine und sparsame Autos bevorzugen, ist der Neuwagenpreis einer Studie zufolge drastisch eingebrochen.
Seit seinem Höchststand von gut 147 Dollar Mitte Juli ist der Ölpreis um rund 27 Prozent abgesackt. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl kostete am Freitagmittag im elektronischen Handel an der New Yorker Börse 106,50 Dollar und lag damit 1,39 Dollar unter dem Schlusskurs vom Vortag. Die für Europa wichtige Nordseesorte Brent kostete in London 105,08 Dollar pro Barrel, 1,22 Dollar weniger als am Donnerstag.
Einer der Gründe ist die Erstarkung des Dollars. Am Freitag kostete der Euro gut 1,42 Dollar, während er Mitte Juli noch bei fast 1,60 Dollar gestanden hatte. Ein starker Dollar zieht vermehrt Investoren an, die dann ihre Anlagen aus Rohstoffen abziehen.
Den Preis drückte außerdem, dass der Tropensturm «Gustav» weniger stark war als befürchtet und die sicherheitshalber geschlossenen Produktionsstätten im Golf von Mexiko weitgehend verschont hatte. Tausende Arbeiter kehrten am Donnerstag auf die Förderinseln vor der US-Küste zurück. Auch viele Raffinerien kurbelten ihre Produktion wieder an. Inzwischen ziehen allerdings schon die Tropenstürme «Hanna», «Ike» und «Josephine» auf.
Der Markt blickt derzeit gespannt auf ein für Anfang nächster Woche in Wien angesetztes Treffen der OPEC. Experten gehen davon aus, dass die Förderländer Maßnahmen ergreifen werden, um den Ölpreis nach seinem Preissturz der vergangenen zwei Monate zu stützen. Die OPEC hat bereits angedeutet, die Marke von 100 Dollar sichern zu wollen.
Preisverfall auf US-Automarkt
Unterdessen sind die Autopreise in den USA eingebrochen: Ein Neuwagen kostete im zweiten Quartal dieses Jahres durchschnittlich 25.632 Dollar und damit 2,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie Experten der US-Großbank JPMorgan berichteten. Dies sei der stärkste Einbruch in der 41-jährigen Geschichte der Analyse der Bank. Hauptursache für den Preisverfall sei, dass die Amerikaner aufgrund der hohen Spritpreise zur Zeit lieber kleine und billige Autos kaufen. Die Kunden bevorzugten billige und benzinsparende Modelle.
In Berlin gab Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag den Startschuss für das weltweit größte Gemeinschaftsprojekt für klimafreundliche Elektroautos. Ab Ende 2009 sollen in der Hauptstadt 100 Elektro-Smart der Daimler AG fahren, die an 500 RWE-Stromladepunkten mit Energie versorgt werden können.
