Die Demokraten haben mit der Nominierung Barack Obamas zum erstem schwarzen US-Präsidentschaftskandidaten Geschichte geschrieben. Sie boten auf ihrem Parteitag in der vergangenen Woche auch zahlreiche Redner ethnischer Minderheiten auf. Anders sah es dagegen auf dem am Donnerstag beendeten Nominierungsparteitag der Republikaner in St. Paul aus.
Unter den Rednern oder den mehr als 2.000 Parteitagsdelegierten waren nur wenige Angehörige ethnischer Minderheiten. Die Republikaner haben anders als die Demokraten in ihren Reihen kaum prominente Politiker aus Minderheitsgruppen. So gibt es etwa bei ihnen keinen schwarzen Gouverneur oder prominenten schwarzen Kongressabgeordneten.
Immerhin stellen die Republikaner in Louisiana den ersten US-Gouverneur indischer Abstammung. Bobby Jindal sollte ursprünglich auf dem Parteitag zu den Delegierten sprechen. Er sagte seinen Auftritt aber wegen des Hurrikans «Gustav» ab.
Etwa 13 Prozent der Parteitagsdelegierten rechneten sich nach Angaben der Organisatoren einer ethnischen Minderheit zu. Beim Parteitag vor vier Jahren waren es 17 Prozent. Laut dem Ergebnis der letzten Volkszählung rechnen sich etwa ein Drittel der US-Bürger einer Minderheitengruppe zu.
Der ehemalige Vizegouverneur von Maryland, Michael Steele, zeigt sich darüber besorgt, dass die Partei kaum über Führungskräfte aus Minderheitsgruppen verfügt. «Dies dürfen wir nicht schönreden», sagte Steele, der eine Arbeitsgruppe der Partei zur Nachwuchsförderung leitet. Er war der erste Schwarze in Maryland, der in ein Führungsamt dieses US-Staates gewählt wurde.
«Es gibt wichtigeres»
Er hielt am Mittwochabend zur besten Fernsehsendezeit eine zehnminütige Rede auf dem Parteitag, auf dem Senator John McCain zum Präsidentschaftskandidaten der Partei gekürt wurde. Es war immerhin auch ein Schwarzer, der McCain offiziell als Spitzenkandidat vorschlug. Michael Williams aus Texas, dem diese Aufgabe zufiel, pries auch die Wahl Obamas als historischen Durchbruch für die Schwarzen. Er sei aber bei den Republikanern, weil er sich zu deren Werten bekenne.
Joseph Wood, ein schwarzer Parteitagsdelegierter aus Arkansas und Schatzmeister der dortigen Republikanischen Partei, sieht die Frage der Repräsentanz von Minderheiten in der Partei gelassen. Es gebe wichtigeres zu tun, als sich damit zu befassen, wie viele Vertreter von Minderheiten auf dem Podium stünden. Er verwies darauf, dass es in der jetzigen Regierung von Präsident George W. Bush und den Regierungen von dessen Vater und von Ronald Reagan mehrere Schwarze in herausgehobener Position gebe beziehungsweise gegeben habe.
