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05. Juli 2008
Vom Kamingespräch zur Mammutkonferenz


Berlin - Die jährlichen Gipfeltreffen der wichtigsten Industriestaaten gehen auf eine deutsch-französische Initiative zurück. Angesichts der Ölkrise sahen sich der französische Präsident Valéry Giscard d"Estaing und Bundeskanzler Helmut Schmidt 1975 dazu veranlasst, die Staats- und Regierungschefs aus den USA, Großbritannien, Japan und Italien zu Beratungen über die Weltwirtschaftslage einzuladen. Das Treffen der «Gruppe der Sechs» - kurz G-6 - fand in informeller Atmosphäre im Schloss Rambouillet bei Paris statt.

Schon beim zweiten Weltwirtschaftsgipfel auf der amerikanischen Insel Puerto Rico wurde Kanada in den exklusiven Club aufgenommen - aus der G-6 wurde die G-7. In den ersten Jahren standen bei den Treffen ausschließlich wirtschaftspolitische Fragen auf der Tagesordnung. Bereits Anfang der 80er Jahre nahmen die Staats- und Regierungschefs zusätzlich auch außenpolitische Probleme wie den Ost-West-Konflikt oder den Kampf gegen den internationalen Terrorismus sowie Umweltfragen ins Programm.

Nach dem Zerfall des Warschauer Paktes und der Sowjetunion wurde Russland zunehmend in die Arbeit der G-7 einbezogen und 1998 in Birmingham als Mitglied aufgenommen. Damit erhielt die Gruppe ihr jetziges Achterformat. Genau genommen müsste man aber von G-9 sprechen: Seit 1978 nimmt auch die EU an den jährlichen Treffen teil, vertreten durch den amtierenden Präsidenten des Europäischen Rats und den Präsidenten der EU-Kommission.

Der informelle Charakter blieb erhalten

Was 1975 im Schloss Rambouillet als Kamingespräch begann, ist mittlerweile eine Mammutkonferenz mit massiven Sicherheitsvorkehrungen geworden. Der informelle Charakter der Treffen blieb über die Jahre allerdings erhalten. Die Gruppe der Acht gilt nicht als internationale Organisation. Sie unterhält kein ständiges Sekretariat und verfährt nicht nach festgelegten Regeln. Ihre Beschlüsse sind nicht bindend. Der Vorsitz rotiert zwischen den Mitgliedern der Gruppe jährlich. Der jeweilige Ausrichter der Gipfeltreffen ist auch für die Tagesordnung zuständig.

Beim Gipfeltreffen auf der japanischen Insel Okinawa im Jahr 2000 wurden erstmals afrikanische Staatschefs als Gäste eingeladen. In den folgenden Jahren wuchs der Teilnehmerkreis immer weiter.

An dem am Montag beginnenden Gipfel auf der japanischen Insel Hokkaido nehmen insgesamt 23 Staats- und Regierungschefs sowie die Chefs von UN, Weltbank, Afrikanischer Union, EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds, OECD, der Internationalen Energieagentur und eventuell der Welthandelsorganisation teil.

Zum Auftakt sind sieben afrikanische Staaten zu Gast, am Mittwoch stößt die Gruppe der fünf wichtigsten Schwellenländer zu den Beratungen. Mit dieser G-5, der China, Indien, Südafrika, Mexiko und Brasilien angehören, hat die G-8 im vergangenen Jahr einen Prozess enger Konsultationen über wichtige globale Themen wie den Klimaschutz eingeleitet.

Nach dem Treffen der «G-8 plus 5» wird der Kreis noch einmal um drei Länder auf 16 erweitert. Mit Südkorea, Indonesien und Australien wird es dann um das neue UN-Klimaschutzabkommen gehen, das 2012 das Kyoto-Abkommen ablösen soll.

Merkel gegen Erweiterung

Eine neuerliche Erweiterung der G-8 ist seit langem im Gespräch. Bereits 2004 regten der britische Premierminister Tony Blair und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einen solchen Schritt an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt das ab und will stattdessen die zunächst auf zwei Jahre angelegte Kooperation mit der G-5 über das Jahr 2009 hinaus fortsetzen. «Ich finde diesen Weg ausreichend flexibel», sagt sie zur Begründung. «Ich glaube, es gibt Punkte, die können besser und effizienter unter den G-8-Ländern besprochen werden. Und es gibt andere Themen, die wir nur mit den G-5 sinnvoll erörtern und lösen können.»






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