Die G-8 befindet sich im Umbruch: Nur die Hälfte der Staats- und Regierungschefs der acht wichtigsten Industrienationen, die am Montag auf der japanischen Insel Hokkaido erwartet werden, war auch beim letzten Gipfeltreffen in Heiligendamm mit von der Partie.
Der japanische Ministerpräsident Yasuo Fukuda, der russische Präsident Dmitri Medwedew und der britische Premierminister Gordon Brown sind zum ersten Mal bei einem G-8-Gipfel. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi kehrt nach zweijähriger Auszeit auf die große internationale Bühne zurück. Für US-Präsident George W. Bush ist sein achter G-8-Gipfel dagegen seine Abschiedsvorstellung.
YASUO FUKUDA (71): Der japanische Ministerpräsident musste nach dem Rücktritt seines Vorgängers Shinzo Abe im September 2007 in zweierlei Hinsicht ins kalte Wasser springen. Er musste sich nicht nur möglichst schnell in die Regierungsgeschäfte einarbeiten, sondern auch die Vorbereitungen für den G-8-Gipfel übernehmen, die bereits auf Hochtouren liefen. Jetzt erhofft er sich von dem Großereignis in einem Luxushotel am malerischen Toya-See Rückenwind für seine krisengeschüttelte Regierung.
ANGELA MERKEL (53): Die Bundeskanzlerin hatte beim Gipfel in Heiligendamm im vergangenen Jahr einen ihrer wichtigsten außenpolitischen Auftritte. Hoch angerechnet wird ihr, dass sie US-Präsident George W. Bush beim Klimaschutz auf ein gemeinsames Vorgehen in den Vereinten Nationen einschwören konnte. Für Merkel ist es nach St. Petersburg 2006 und Heiligendamm 2007 der dritte G-8-Gipfel.
GEORGE W. BUSH (61): Der US-Präsident ist zum achten und letzten Mal dabei. Im nächsten Jahr wird John McCain oder Barack Obama die USA beim Gipfel in Italien vertreten. Dass sich der wichtigste Akteur in den letzten Zügen seiner Amtszeit befindet, gilt nicht als Nachteil. Im Gegenteil: Den amerikanischen Unterhändlern wird nachgesagt, besonders aktiv zu sein, um Bush einen guten Abgang zu verschaffen.
DMITRI MEDWEDEW (42): Für den russischen Präsidenten ist es die erste Teilnahme an einem internationalen Gipfeltreffen. Dementsprechend aufmerksam wird beobachtet werden, wie sicher sich das jüngste G-8-Mitglied im Kreis der mächtigsten Männer und Frauen der Welt behauptet. Vor dem Gipfel sendete er schon einmal selbstbewusste Signale in Richtung USA. Die Forderung des US-Präsidentschaftsbewerbers McCain nach einem Ausschluss Russlands aus der G-8 wies er als lächerlich zurück.
GORDON BROWN (57): Nach rekordverdächtigen elf G-8-Gipfeln mit Tony Blair wird Großbritannien in diesem Jahr erstmals von Premierminister Brown vertreten. Der Labour-Chef wird in Japan vor allem auf eine harte Haltung gegen das Regime von Robert Mugabe in Simbabwe dringen. Dazu soll es eine separate Gipfelerklärung geben.
NICOLAS SARKOZY (53): Der französische Präsident hatte beim letzten G-8-Gipfel in Heiligendamm seine Premiere. Diesmal kommt er als neuer EU-Ratspräsident nach Japan und wird damit eine besondere Rolle einnehmen.
SILVIO BERLUSCONI (71): Der italienische Ministerpräsident hat schon an fünf G-8-Gipfeln teilgenommen und kehrt jetzt zu Beginn seiner dritten Amtszeit in den Kreis der G-8 zurück. Er war Anfang Mai als Chef der 62. italienischen Nachkriegsregierung vereidigt worden.
STEPHEN HARPER (49): Der kanadische Ministerpräsident nimmt zum dritten Mal an einem G-8-Gipfel teil. Er hatte seine Konservative Partei, deren Vorsitzender er ist, Anfang 2006 bei den Parlamentswahlen nach 13 Jahren wieder zur stärksten Kraft in Kanada gemacht.
JOSÉ MANUEL BARROSO (52): Die EU nimmt seit 1978 an den G-8-Gipfeln teil. Sie wird durch den EU-Kommissionspräsidenten und den amtierenden Ratspräsidenten vertreten. Da Sarkozy EU-Ratspräsident ist, wird mit Kommissionspräsident Barroso diesmal nur ein EU-Vertreter zusätzlich anreisen.
