«Willkommen zu Hause», rief George Herbert Walker Bush den Amerikanern in Berlin zu. 67 Jahre, nachdem die USA ihre Botschaft am Brandenburger Tor aufgaben, weil Hitler ihnen den Krieg erklärt hatte, kehrten sie am Freitag offiziell auf ihr angestammtes Grundstück zurück. Zur Eröffnung des Neubaus am Pariser Platz reiste Expräsident Bush höchstselbst an, dem die deutsche Wiedervereinigung während seiner Amtszeit von 1989 bis 1993 immer ein Herzensanliegen war.
Gemeinsam mit Botschafter William Timken zerschnitt Bush senior das blau-weiß-rote Band, um das Gebäude freizugeben. Auf dem mit blau-weiß-roten Luftballons und dem Star-Spangled Banner geschmückten Pariser Platz folgten rund 4.500 geladene Gäste trotz Nieselregens der Zeremonie. Bundeskanzlerin Angela Merkel beschwor die deutsch-amerikanische Freundschaft, die «immer wieder aufs Neue unter Beweis gestellt werden muss». Merkel selbst lässt sich da nichts zuschulden kommen. Sie pflegt ein inniges Verhältnis zum amtierenden Präsidenten George W. Bush, dem Sohn von George Bush.
Mini-Hamburger und Muffins
Bei kalifornischem Wein, Mini-Hamburgern und Muffins gaben sich die Gäste Gefühlen der Verbrüderung hin. Von gemeinsamer Geschichte war viel die Rede. Botschafter Timken erinnerte daran, dass Bush derjenige gewesen war, der 1989 bei den anderen Alliierten Großbritannien und Frankreich darauf gedrungen hatte, dem geteilten Deutschland die Wiedervereinigung nach eigenen Vorstellungen und unter vollständiger Souveränität zu erlauben.
Für seine Verdienste um die deutsche Wiedervereinigung hatte Bush am Vorabend den Henry A. Kissinger Preis der American Academy in Berlin erhalten. Bei dieser Gelegenheit erinnerte er sich an ein Gespräch mit dem damaligen französischen Staatschef Francois Mitterand, der ihm seinerzeit sagte, er liebe Deutschland so sehr, dass es zwei davon geben sollte. Und die Eiserne Lady Großbritanniens, die damalige Regierungschefin Maggi Thatcher habe er auf die Palme getrieben, wenn er von deutsch-amerikanischer Führung gesprochen habe, weiß Bush noch, als wäre es gestern gewesen.
«Ich bin niemals von der ewigen Wahrheit abgewichen, dass Sie ein Volk sind», sagte Bush am Freitag. Merkel erinnerte sich daran, dass sie als DDR-Bürgerin nicht weit vom Brandenburger Tor gewohnt habe und sich viele Jahre ihres Lebens nicht habe vorstellen können, jemals hindurchzugehen. «Wer sich für die Öffnung maßgeblich eingesetzt hat, waren die Vereinigten Staaten von Amerika», sagte sie anerkennend.
Bush vermisste am Freitag nur seinen Partner beim historischen Projekt der Wiedervereinigung: Helmut Kohl. Der Altbundeskanzler erholt sich derzeit von einem schweren Sturz. Er sei wie der damalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow ein Mann «von seltener Vision und einzigartigem Mut gewesen», sagte Bush anerkennend. Bei der Preisverleihung am Vortag erinnerte er sich auch an Menschlicheres. Er sei immer beeindruckt gewesen davon, wie viel Kohl vertilgen konnte. Es würde ihn interessieren, ob er noch immer einen so gesegneten Appetit habe.
Festung hinter Stahlbeton und Panzerglas
Die Speisen auf dem Fest am Pariser Platz waren weniger üppig. Und auch Einlass in das neue Botschaftsgebäude wurde den Gästen verwehrt. Der Neubau gleicht von außen einer Festung mit Sicherheitszaun, Stahlbeton und Panzerglas. Um das Gebäude wurde langezeit ein erbitterter Streit zwischen der Stadt Berlin und den USA ausgefochten - so dass sich die Eröffnung um neun Jahre verzögerte. In einem Kompromiss vor sechs Jahren mäßigte Washington seine Sicherheitsanforderungen und Berlin erklärte sich bereit, die Straße hinter der Botschaft um einige Meter zu verlegen.
Von den Querelen war am Tag der Eröffnung nicht die Rede. Sogar der ehemalige US-Botschafter John Kornblum, der sich seinerzeit mit dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen lustvoll um die Gestaltung des Baus stritt, gab sich versöhnlich und sprach von einem sehr schönen Bau. Bei Merkel ging der Hang zur Verbrüderung sogar so weit, dass sie den amerikanischen Unabhängigkeitstag, an dem die Einweihung stattfand, eingemeindete. «Dies ist ein Feiertag für alle, die wissen, wie wertvoll Unabhängigkeit und Freiheit sind», betonte sie.
