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05. Juni 2007

Täglich sterben 100.000 Menschen an Hunger



Rostock - «Auf afrikanischen Märkten gibt es deutsches, französisches und italienisches Gemüse, das nur halb so viel kostet wie die Inlandsprodukte», sagt Jean Ziegler. Nicht weit entfernt vom Markt lebe der afrikanische Bauer, der mit seiner Familie 15 Stunden in glühender Hitze gearbeitet habe. «Der hat nicht die geringste Chance, auf ein Existenzminimum zu kommen», erklärt der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, der am Dienstag den so genannten Gegengipfel eröffnete.

Armutsbekämpfung ist ein Thema des Gipfels in Rostock, der unter dem Motto «Globalisierung anders denken» bis Donnerstag Alternativen zur «herrschenden Politik» der G-8-Staaten aufzeigen soll. Rund 1.000 Teilnehmer aus aller Welt diskutieren darüber hinaus in zahlreichen Workshops über Klimaschutz, eine gerechtere Welt, Migration, Militarismus und faire Handelsbeziehungen. Veranstalter ist ein breites Bündnis aus 40 Organisationen, von der linksradikalen Interventionistischen Linken über Gewerkschaften bis hin zu Organisationen wie Attac, Oxfam, Greenpeace oder Venro. «Wir wollen eine demokratische Globalisierung von unten», lautet das gemeinsame Ziel.

Karsten Smid von Greenpeace betont: «Wir suchen eine Auseinandersetzung mit Worten, nicht mit Steinen.» Man habe überzeugende Argumente für eine andere Politik. Gerade im Bereich Klimaschutz müsse Kanzlerin Angela Merkel auf dem G-8-Gipfel eine Vorreiterrolle übernehmen. «Wir brauchen klare Reduktionsziele ohne Gipfelrhetorik.» Immerhin seien allein die G-8-Staaten für 50 Prozent der Treibhausgase selbst verantwortlich. Das müssten sie endlich eingestehen.

Um Entwicklungspolitik geht es Jane Nalunga, Teilnehmerin aus Uganda. Sie sagt, Afrika benötige qualitativ bessere Hilfen, die nicht an Bedingungen geknüpft seien. «Die wenige Hilfe, die nach Afrika kommt, ist an wirtschaftliche Auflagen gebunden.» Walden Bello, Träger des alternativen Nobelpreises sagt, die Industrieländer seien verpflichtet, einen fairen Handel mit den afrikanischen Ländern zu betreiben. Sonst könne der Kontinent nie selbstständig werden.

Ziegler ist ärgerlich, macht aber gleich deutlich: Er spreche hier für sich selbst, nicht für die UN, sonst bekomme er in New York Probleme. Dann erklärt er: Wenn es um Afrika gehe, sprächen die G-8-Staaten immer zunächst über Investitionssicherheit. Das Wort «Hunger» komme nicht vor. Dabei stürben jeden Tag 100.000 Menschen an Hunger oder seinen Folgen. Alle fünf Sekunden verhungere ein Kind unter zehn Jahren. «Das alles passiert auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt.»

Auf jeden Fall müsse der nigerianische Präsident Umaru Yar"Adua vom G-8-Gipfel wieder ausgeladen werden. Bei seiner Wahl Ende April habe die EU Schiebereien festgestellt. Nun sei «dieser Betrüger» Ehrengast und Vertreter Afrikas auf dem Gipfel. «Der dürfte hier gar nicht landen.»

Ein Abschlussdokument wie in Heiligendamm wird es beim Alternativgipfel in Rostock nicht geben. «So etwas brauchen wir nicht», sagt Karsten Smid. Die G-8-Staaten gäben in ihrem Abschlussdokumenten - wie in früheren Jahren zu beobachten gewesen sei - sowieso nur «hohle Gipfelrhetorik» zum Besten.






 

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