Brüssel - Unmittelbar vor der Veröffentlichung des zweiten Teils des Weltklimaberichts haben die Delegierten in Brüssel noch immer um einzelne Formulierungen gerungen. Die Beratungen kamen am Donnerstag so langsam voran, dass sogar über eine Verschiebung der für (den morgigen) Freitag geplante Veröffentlichung spekuliert wurde, wie ein Wissenschaftler der Nachrichtenagentur AP sagte.
Größter Streitpunkt sei die Zusammenfassung des Berichts, sagte der norwegische Delegierte Oyvind Christophersen. Der Entwurf für den zweiten Teil des Berichts hat 20 Kapitel, zwei Zusammenfassung und insgesamt mehr als 1.570 Seiten. Debattiert werde über einzelne Formulierungen, «ob etwas wahrscheinlich ist oder sehr wahrscheinlich, ob es global ist oder regional», sagte Hans Verolme von der Naturschutzorganisation WWF.
Der belgische Delegierte Julian Vandeburie sagte, die weltweite Situation gleiche derzeit der internationalen Konferenz in München 1938, als Großbritannien und Frankreich sich zwischen einer Haltung für und gegen Hitler entscheiden mussten. «Wir müssen entscheiden, ob wir etwas tun oder nicht», erklärte Vandeburie mit Blick auf die globale Erwärmung.
Dissens gab es nach Angaben des schwedischen Delegierten Mattias Lunblad über eine Formulierung der Einleitung, in der es im Entwurf heißt: «Viele Natursysteme auf allen Kontinenten und in einigen Ozeanen werden von regionalen Klimaveränderungen betroffen sein.» Einige Delegationen forderten eine weniger eindeutige Aussage. Zur Klärung wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt.
Im Mittelpunkt des zweiten Teil des Berichts stehen die Auswirkungen der Erderwärmung auf Flora und Fauna. Der Anfang Februar in Paris vorgestellte erste Teil stellt die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung heraus. Der Weltklimarat wurde 1988 vom UN-Umweltprogramm und der Welt-Meteorologie-Organisation ins Leben gerufen.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird sich unterdessen am 17. April zum ersten Mal in seiner Geschichte mit den globalen Bedrohungen durch den Klimawandel befassen. Die Sitzung wird von der britischen Außenministerin Margaret Beckett geleitet, die auch die Außenminister der anderen 14 Mitgliedstaaten dazu nach New York eingeladen hat. Großbritannien hat zurzeit den Vorsitz im Sicherheitsrat inne.