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05. Januar 2009

Der Abschwung erfasst den Arbeitsmarkt



Nürnberg - Mit einiger Verzögerung erreicht der weltweite Konjunkturabschwung jetzt auch den deutschen Arbeitsmarkt. Von AP befragte Volkswirte gehen für Dezember 2008 von bis zu 120.000 Arbeitslosen mehr aus als noch im November. Im Dezember 2007 war die Zahl nur um 28.000 gestiegen. Dank Arbeitszeitkonten und Kurzarbeitergeld dürften die Folgen der Wirtschaftskrise aber nach Expertenansicht zunächst noch relativ gering ausfallen. Bis Jahresende 2009 allerdings erwarten die Fachleute ein drastischen Anstieg von bis zu 800.000.

«Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit beschönigen derzeit die Statistik. Sie zögern den Einbruch zeitlich hinaus», fasst Alexander Koch von UniCredit zusammen. Die Unternehmen bemühten sich, ihre Arbeitskräfte so lange wie möglich zu halten. Vor allem Fachkräfte - zum Beispiel Ingenieure - die in Zeiten des Aufschwungs wieder schwer zu bekommen seien, würden weiter beschäftigt, obwohl es derzeit nicht immer ausreichend Arbeit für sie gebe, schildert Holger Schäfer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Dabei gehe das Engagement der Betriebe weit über das Leeren von Arbeitszeitkonten oder Kurzarbeit hinaus.

Puffer-Effekt für mindestens drei Monate

Mindestens in den ersten drei Monaten dieses Jahres sollte dieser Puffer-Effekt anhalten. Spätestens zur Jahresmitte dürfte die Arbeitslosigkeit dann allerdings dramatisch ansteigen. «Wir sind gerade am Wendepunkt», fasst Ralph Solveen von der Commerzbank in Frankfurt zusammen. Die noch glimpfliche Entwicklung in der ersten Jahreshälfte dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass das dicke Ende noch kommen werde. «Ende 2009 werden wir 800.000 Arbeitslose mehr haben als jetzt», ist er sicher.

UniCredit geht von einer Zunahme um rund 500.000 im Jahresverlauf aus, bei einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 1,5 Prozent. Vom Jobabbau betroffen sein dürfte vor allem das verarbeitende Gewerbe und hier insbesondere die Elektroindustrie, der Automobil- und Maschinenbau sowie die unternehmensbezogenen Dienstleistungen.

«Wer vom Aufschwung überproportional profitiert hat, wird im Abschwung überproportional leiden», fasst Koch zusammen. Weniger stark beeinträchtigt sein sollten seiner Einschätzung nach das Baugewerbe und der Handel - auch aufgrund der von der Bundesregierung angekündigten Infrastrukturmaßnahmen. «Die sind gar nicht so schlecht, weil sie die Konjunktur direkt anschieben», erklärt Koch. Insgesamt halte er vom beschlossenen ersten Konjunkturpaket allerdings eher wenig. Das meiste darin sei «heiße Luft», kritisiert er. «Die Abwärtsrisiken bleiben jedenfalls erhalten».

2010 sollte das Gröbste überstanden sein

Das IW prognostiziert für 2009 einen Rückgang des BIP um rund zwei Prozent. «Diese zwei Prozent Minus würden dazu führen, dass die Zahl der Erwerbstätigen um einige Hunderttausend sinkt», rechnet IW-Volkswirt Schäfer vor. Daher erwartet er im Jahresdurchschnitt einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf bis zu 3,7 Millionen und damit etwa 400.000 mehr als 2008. An ein erneutes Erreichen der Vier-Millionen-Marke glaubt Schäfer allerdings nicht. «Ausgehend von jetzt knapp drei Millionen Arbeitslosen würde das ja einen Anstieg um eine Million bedeuten», erklärt er. Dies sei unwahrscheinlich.

2010, da sind sich Schäfer, Solveen und Koch einig, sollte dann das Gröbste überstanden sein und der Jobabbau allmählich nachlassen. Allerdings werde sich der Arbeitsmarkt ebenfalls nur mit einer zeitlichen Verzögerung erholen. «Wir werden nur langsam aus dem Tal kriechen», schildert Koch.

Die Dezember-Daten und die durchschnittliche Jahresarbeitslosigkeit für 2008 gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) am kommenden Mittwoch (10.00 Uhr) in Nürnberg bekannt. Im November war die Zahl der Menschen ohne Job noch um 8.000 auf 2,988 Millionen gesunken. Das war der niedrigste Stand seit 16 Jahren.






 

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