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04. Dezember 2008
Jugendliche auf Wahlrecht mit 16 nicht gut genug vorbereitet


Hohenheim - Jugendliche sind nach einer Studie der Universität Hohenheim für eine Herabsenkung des Wahlalters nicht gut genug vorbereitet. Zwar seien 16-Jährige politisch fast genau so interessiert wie 18-jährige Erstwähler; doch für den Fall eines Wahlrechts mit 16 müssten Schulen das Thema politische Bildung viel früher aufgreifen als bisher, ergab die am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung. So hätten 16-Jährige mehr Schwierigkeiten als 18-Jährige, Politikerreden zu verstehen.

«Das Interesse und die Motivation, sich mit Politik zu beschäftigen, könnte durch ein niedrigeres Wahlalter unterstützt werden. Damit ergibt sich auch die Chance, dass politische Bildung bei den Jugendlichen eher hängen bleibt», erklärte Jan Kercher vom Institut für Kommunikationswissenschaft an der Hohenheimer Universität.

Allerdings solle das Wahlrecht nicht von heute auf morgen gesenkt werden: Voraussetzung hierfür wäre nach Ansicht Kerchers, dass in den Lehrplänen das Thema politische Bildung vorgezogen würde. Der Wissenschaftler hatte in der Untersuchung das politische Wissen und Politikverständnis von 134 Jugendlichen und jungen Erwachsenen verglichen. In einem ersten Wissenstest sollten die Teilnehmer die richtige Definition von politischen Begriffen und Abkürzungen ankreuzen oder Politikern ihre jeweilige Partei und Funktion zuordnen. Im zweiten Testteil bekamen die Teilnehmer Original-Auftritte von Politikern zu sehen und mussten hinterher Verständnis-Fragen beantworten.

Entgegen ihrer Selbsteinschätzung schnitt die Gruppe der 16- bis 17-Jährigen bei dem Verständnisteil wesentlich schlechter ab als die der 18 bis 21 Jahre alten Erstwähler. So erreichten die Neuntklässler der Hauptschule gerade einmal die Hälfte der Punkte im Verständnistest, die Berufsschüler immerhin fast zwei Drittel. Dieser altersbedingte Unterschied zeigte sich ähnlich deutlich beim Vergleich von Gymnasiasten und Studienanfängern.

Eine Erklärung hierfür lieferten die Ergebnisse der Wissenstests: Auch dort schnitten die jüngeren Schüler deutlich schlechter ab als die wahlberechtigten Versuchsteilnehmer. Gleichzeitig fanden sich in Bezug auf das Interesse an Politik und die Bedeutung im persönlichen Alltag jedoch kaum Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen.

Kercher sieht darin einen Beleg dafür, dass sich Politik-Unterricht in Oberstufe und Berufsschule positiv auf die Verständnisfähigkeit auswirkt. «Es ist daher die Aufgabe der Wissenschaftsministerien und Schulen, erst das Lehrangebot zu ändern, bevor dann zeitverzögert auch das Wahlalter herabgesetzt werden könnte», erklärte der Kommunikationswissenschaftler.








 
 



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