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04. Oktober 2008
Sparkassenpräsident sieht «Selbstheilungskräfte der Banken» gestört


Frankfurt - Mit der Milliarden-Bürgschaft für den DAX-notierten Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate ist die Finanzkrise für Deutschland nach Einschätzung von Bankfachleuten noch lange nicht vom Tisch. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Heinrich Haasis, sagte der «Wirtschaftswoche»: «Die Selbstheilungskräfte der Banken sind massiv gestört. Weitere Belastungen sind aktuell zwar nicht erkennbar, aber die Turbulenzen auf den internationalen Märkten lassen auch deutsche Banken nicht unbelastet.»

Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim, sagte mit Blick auf den 35-Milliarden-Euro-Rettungsrplan für die Hypo Real Estate: «Solche Einzelaktionen müssen schnell in eine konzertierte Aktion einmünden, sonst ist der nächste Fall schon programmiert.» In der «Welt am Sonntag» sprach er sich für einen «europäischen Rettungsschirm» unter deutscher Führung aus. «Es muss sehr schnell passieren, wir können nicht auf die Amerikaner warten. Es ist ernst, die Zeit der Konjunktive ist vorbei», sagte Krockow.

Schwierige Refinanzierung

Mehrere Kreditinstitute widersprachen am Samstag einem «Spiegel»-Bericht, wonach sie in den kommenden Monaten einen dreistelligen Milliardenbetrag refinanzieren müssten. Eine solche Refinanzierung ist wegen des Misstrauens der Banken untereinander derzeit sehr schwierig.

Die Landesbank Baden-Württemberg wies die «Spiegel»-Darstellung zurück, sie müsse bis Ende 2009 Forderungen kurzfristiger Geldgeber in Höhe von rund 100 Milliarden Euro refinanzieren. LBBW-Sprecher Michael Pfister erklärte, der Refinanzierungsbedarf für den gesamten Konzern für das Jahr 2008 mit 20 Milliarden Euro sei schon komplett durch Neuemissionen gedeckt. «Im Jahr 2009 wird der gesamte geplante Refinanzierungsbedarf mit deutlich unter 20 Milliarden Euro inklusive Pfandbriefen auf den niedrigsten Stand in den letzten 10 Jahren sinken.»

Auch die West LB dementierte die Zahl von 30 Milliarden Euro in dem Zeitraum. Die Endfälligkeit der Eigenemissionen im nächsten Jahr betrage für den gesamten West-LB-Konzern 11 Milliarden Euro, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Das Institut verfüge über ausreichende Liquidität.

Die Commerzbank erklärte, sie sei «bis Ende 2008 und darüber hinaus refinanziert und das schließt alle Töchter und damit auch die Eurohypo mit ein». Ein Sprecher der West LB sagte, im nächsten Jahr seien 20 Milliarden Euro für die Refinanzierung auslaufender Anleihen nötig, «Der Spiegel» nannte eine Summe von 43 Milliarden Euro.

Größerer Spielraum bei Bilanzierung erwogen

Das Bundesfinanzministerium bestätigte eine Diskussion darüber, Banken einen größeren Spielraum bei der Bilanzierung von Wertpapieren einzuräumen. Dies müsse aber sorgfältig geprüft werden, sagte ein Ministeriumssprecher und wies damit einen «Spiegel»-Bericht zurück, wonach die Bundesregierung bereits einen entsprechenden Vorstoß plane.

Das Nachrichtenmagazin schrieb zudem, die Bundesregierung erwäge, sich vom Bundestag weitere Bürgschaften genehmigen zu lassen. Nach der Rettung der Münchener Hypo Real Estate sei der Bürgschaftsrahmen des Bundes nahezu erschöpft. Dazu sagte der Ministeriumssprecher, es sei noch keine Entscheidung gefallen.








 
 



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