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04. September 2008
Rettung für ein Stück Welterbe


München - Sie hat Kriege, Hochwasser und Eisstöße überstanden. Doch dann kamen die Regensburger Stadtbusse und mit ihnen das Streusalz und setzten der Steinernen Brücke in den vergangenen Jahren so sehr zu, dass Experten um die Stabilität des mittelalterlichen Bauwerks fürchteten. Nach jahrelangen Diskussionen ist die Brücke über die Donau nun seit August auch für Busse und Taxis gesperrt und soll saniert werden. Neben dem Regensburger Dom ist die über 300 Meter lange Brücke das Wahrzeichen der oberpfälzischen Stadt, die seit 2006 zum UNESCO-Welterbe gehört.

«Es ist ein Bauwerk, das fast tausend Jahre auf dem Buckel hat», sagt der Generalkonservator des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Egon Johannes Greipl. Die Steinerne Brücke gelte als Weltwunder des Mittelalters und spiele in einer Liga mit Bauwerken wie der Karlsbrücke in Prag oder der Brücke von Avignon. «Die Brücke ist nicht verloren, aber sehr gestresst», meint Denkmalschützer Greipl über den Zustand der Steinernen Brücke. «Es herrscht Handlungsbedarf.»

Außer der Regensburger Brücke existiere heute kein Verkehrsbauwerk dieser Größe aus dem zwölften Jahrhundert mehr in Europa, sagt Greipl. In der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts wurde das Regensburger Wahrzeichen gebaut, schätzen Historiker. Ein Großteil des Bauwerks ist noch im Ursprung erhalten. Ein riesiges Unternehmen, an dem Tausende Leute arbeiteten sei der Bau im Mittelalter gewesen, sagt Greipl. Das Projekt habe bezogen auf die damalige Größe der Stadt und den bautechnischen Standard der Zeit eine Dimension gehabt wie heutzutage der Bau eines internationalen Flughafens. Doch genaue Angaben über den Bauherren, Baumeister, die Kosten und die Bauzeit haben die Historiker nicht.

Der Legende nach half der Teufel beim Bau

Dafür erzählt eine Legende vom Bau der Steinernen Brücke: So wettete deren Baumeister gegen den Baumeister des Regensburger Doms, welches der beiden Bauwerke als erstes fertig sein würde. Um die Wette zu gewinnen, ging der Brückenbaumeister einen Pakt mit dem Teufel ein und versprach ihm die ersten drei Seelen, die über die fertige Brücke gehen würden, sollte sie vor dem Dom fertig werden. Als die Brücke schließlich zuerst stand, trickste der listige Brückenbaumeister der Legende nach den Teufel aus. Statt Menschen trieb er zuerst einen Hund, einen Hahn und eine Henne über die fertiggestellte Steinerne Brücke.

Bei ihrem Erhalt setzen Denkmalschützer aber nicht auf übernatürliche Kräfte. Seit den 90er Jahren bereits gab es Diskussionen um die Sperrung und Sanierung der Brücke. Noch bis in die 50er Jahre fuhr sogar eine Straßenbahn über das mittelalterliche Bauwerk, bis 1997 auch Autos. Zuletzt passierten bis zu 200 Busse täglich und Taxis auf der Steinernen Brücke die Donau. Im Winter ausgebrachtes Streusalz drang über Jahrzehnte in den Körper des Bauwerks ein und griff den Stein an. Vor drei Jahren seien sogar Teile herabgestürzt, berichtet Greipl. «Gott sei Dank ist die Brücke gesperrt, wenn auch später und aus anderen Gründen als ich es mir vorgestellt habe», sagt er.

Ein Busunfall brachte die Wende

Denn erst nach einem Unfall in der Regensburger Altstadt, als ein Bus nach einem Schwächeanfall des Fahrers gegen eine Hausmauer fuhr, handelte die Stadt. Die Brücke wurde Anfang August wegen Sicherheitsbedenken gesperrt. Denn die Brüstung würde einem Busaufprall wohl nicht mehr standhalten, warnten Experten. Ab kommendem Jahr soll die Brücke nun saniert werden. Die Kosten beziffert der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger auf 15 bis 20 Millionen Euro. Generalkonservator Greipl schätzt, dass zwei Drittel dieser Kosten aus staatlichen Denkmalmitteln und aus Stiftungsmitteln aufgebracht werden können.

Fachleute für historische Brückenbauten sollen die Schäden in den nächsten Jahren beheben und die Brücke möglichst nahe am Original erhalten. Steingutachter suchen in Steinbrüchen nahe Regensburg nach Originalsteinen.

«Das Ergebnis wird wohl sein, dass über die sanierte Brücke kein Verkehr mehr führt», meint CSU-Oberbürgermeister Schaidinger. «Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass nach der denkmalgerechten Sanierung noch Busse oder Autos darüberfahren, sieht man von tatsächlichen Notfällen ab», fordert Denkmalschützer Greipl. Die Belastungen müssten dauerhaft reduziert werden. Für Fußgänger und Radfahrer soll die Brücke aber geöffnet bleiben.

Regensburg will keinen Brückenstreit nach Dresdner Vorbild

Die Stadt Regensburg sucht derweil nach Verkehrsalternativen zur Steinernen Brücke und fasst unter den strengen Augen der UNESCO bereits eine neue Brücke als Ersatztrasse ins Auge. Wo diese verlaufen könnte, ist aber umstritten. So hält Denkmalschützer Greipl etwa eine Brücke direkt vor der Schauseite der Altstadt für unvereinbar mit der denkmalgeschützten Silhouette.

Einen Streit wie in Dresden um die Waldschlösschenbrücke fürchtet Oberbürgermeister Schaidinger dennoch nicht. Die Regensburger Pläne kämen bei den Welterbe-Schützern gut an, sagt er. «Für die UNESCO ist es wichtig, dass die Altstadt lebt.»








 
 



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