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04. September 2008
Mit Dogge «Cäsar» kam der Durchbruch


Frankfurt - Am Anfang erntete er Hohn und Spott: Die ersten Versuche des Schwelmer Polizeikommissars Franz Friedrich Laufer, einen Hund zum Schutz des Wachtmeisters einzusetzen, scheiterten kläglich. Die Deutsche Dogge «Cäsar» brachte 1901 dann aber den Durchbruch - seitdem ist der Hund in der Polizeiarbeit nicht mehr wegzudenken.

«Die Erfindung lag damals irgendwie in der Luft», sagt Laufers Enkel Bernhard, der die Geschichte seines Großvaters recherchiert und ein Buch darüber geschrieben hat. In Hildesheim habe sich Ende des 19. Jahrhunderts Polizeidirektor Otto Gerland ebenfalls mit dem Thema beschäftigt und Hunde als Polizeibegleiter im Nachtdienst eingesetzt; der Grazer Kriminologe Hans Groß habe im Gendarmerie-Jahrbuch 1897 für den Einsatz von Polizeihunden plädiert.

Davon wusste Laufer, seit 1892 Kommissar in Schwelm am Rande des Ruhrgebietes, nichts. Er schrieb später: «Schon Mitte der 90er Jahre kam mir der Gedanke, Hunde als Hilfskräfte im Polizeidienst einzusetzen.» Mit dieser Idee wandte er sich an die Stadtverwaltung, die sich zunächst sträubte. Doch Laufer gab nicht auf und setzte schließlich durch, dass für 500 Mark zwei Doggen angeschafft wurden. Doggen, so glaubte er, seien für seine Zwecke ideal: Sie seien allein durch ihre Größe furchteinflößend.

Aber der Versuch ging schief, eine der Doggen rannte sogar davon. Also beschaffte sich Laufer einen Schäferhund. Der schlug sich kaum besser als die Doggen: «Ach, wie wurde ich enttäuscht», schrieb Laufer später. «Einmal erschien der Hund jetzt neben dem martialischen Beamten auffallend klein, sodann schlich er nicht nur ganz trübselig einher, nein, er blieb sogar alle 15 bis 20 Schritte stehen, um zu husten.» Also wieder eine Dogge. Diese sah zwar imponierend aus, konnte aber kaum laufen, sondern «wandelte» eher wie ein Bär.

Die Stadtverwaltung entzog Laufer ihre Unterstützung, die Presse machte sich über ihn lustig, die Ganoven triumphierten. Dann kam «Cäsar». Seinen ersten Einsatz hatte er am 1. Oktober 1901. Das Rathaus brannte, und die Schaulustigen behinderten Polizei und Feuerwehr. Zunächst wurde die Dogge von der Menge grölend und feixend begrüßt, aber bellend und zähnefletschend verschaffte sie sich rasch Respekt.

Drei Jahre später waren «Cäsar» und sein Kollege «Harras» sogar maßgeblich an der Aufklärung eines Sexualmordes beteiligt: Sie nahmen an der Kleidung des elfjährigen Opfers Witterung auf und führten die Polizei zum Täter. Der Polizeihund war geboren.

Großes Interesse im Ausland

Laufer war der Mann der Stunde. In zahlreichen deutschen Städten fanden Polizeihundevorführungen statt; mit Gleichgesinnten gründete Laufer den Verein für deutsche Polizeihunde, der sich vor allem mit Fragen der geeigneten Hunderasse und der Ausbildung beschäftigte. Das Interesse auch im Ausland war riesig. Anfragen kamen aus Russland, den Niederlanden, Frankreich, Österreich, Italien, der Schweiz und Ägypten. 1908 verließ Laufer Schwelm und ließ sich als Amtsanwalt in Hanau nieder. 1937 starb er in Fulda.

Sein Enkel Bernhard Laufer hat den Großvater nicht mehr persönlich kennengelernt und stieß per Zufall auf die Polizeihund-Geschichte. Er recherchierte im Schwelmer Stadtarchiv, stand in Kontakt mit der Stadt Hildesheim und dem Grazer Kriminalmuseum.

Dabei fand er noch mehr Bemerkenswertes aus dem Leben seines Großvaters heraus. So soll dieser nicht nur den Polizeihund, sondern auch den Gummiknüppel als Waffe erfunden haben - um die Bevölkerung zu schützen. Denn die Polizeiwaffe der damaligen Zeit war der Säbel; und das Risiko von Verletzungen durch den Säbel war weitaus größer als beim Gummiknüppel. «Wir können unsere Untertanen nicht totschlagen», soll Laufer gesagt haben, der in Polizeikreisen bis heute einen Namen als Reformer hat.








 
 



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