Mario Conde, früher als Polizeibeamter unterwegs, schlägt sich nun als Antiquar durchs Leben. Ganz so mies gehen die Geschäfte aber doch nicht, viele Kubaner machen ihre Bücher zu Geld. Und die Sorgen Condes scheinen gelöst, als er eines Tages auf eine seit vierzig Jahren vergessene, kostbare Bibliothek stößt. Gleichzeitig findet er das Foto der Bolerosängerin Violeta del Rio. Ihr Bild und die einzige Schallplatte «Geh fort von mir», die sie vor ihrem rätselhaften Tod aufgenommen hat, verzaubern ihn. Er will den Geheimnissen um sie auf die Spur kommen.
Conde hat vor 13 Jahren den Dienst bei der Kripo Havanna quittiert, um sich ganz dem Kauf und Verkauf von Büchern zu verschreiben. Am Ende eines heißen Nachmittags gibt er einem Gefühl nach und klopft an die Tür einer heruntergekommenen Villa, um nach Büchern zu fragen. Er stößt auf eine Goldader.
Das alte Geschwisterpaar, das ihm die Bücher aus dem Haus zeigt, ist nahe am Verhungern. In ihrer Notlage haben die beiden schon Möbel, Schmuck, Silber und Porzellan verkauft. Nun wollen sie sich von den Büchern trennen. Der Verkauf der kostbaren Bibliothek würde Conde und seinem Geschäftspartner El Palomo fette Gewinne einbringen.
In einem Kochbuch, das er seinen Freunden schenken will, findet Conde eine Zeitungsseite vom Mai 1960. Als er das Blatt auseinander faltet, schaut er zum ersten Mal in die schwarzen Augen von Violeta del Rio. Violeta war in den 50er Jahren eine attraktive Bolerosängerin. Havanna war zu dieser Zeit voll von Künstlern, die in zahllosen Bars und Kabaretts sangen und tanzten. Das alte Bild entfacht ein Feuer in Conde, er will erfahren, wer Violeta war. Die Sängerin ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aus unbekannten Gründen plötzlich in der Versenkung verschwunden, und keiner will sich an sie erinnern.
Zunächst findet Conde heraus, dass Violeta kurz nach ihrem Verschwinden unter rätselhaften Umständen gestorben ist. Selbstmord wird angenommen, hinter vorgehaltener Hand wird aber über Mord getuschelt. Die Polizei ist angewiesen worden, die Ermittlungen vorzeitig einzustellen.
Nun erwachen in Conde die alten Ermittler-Instinkte, er will wissen, wie und warum Violeta gestorben ist. Dabei stößt er auf viele Ungeheuerlichkeiten: Die Sängerin war die Geliebte des ursprünglichen Besitzers der heruntergekommenen Villa, der Geschäfte mit der Mafia machte und sich rechtzeitig vor der Revolution in die USA absetzte. Das Geschwisterpaar, das seine Bücherschätze hütet, scheint mehr zu wissen über ihn, seine Geschäfte und seine Frauen, als es vorgibt. Als der Bruder ermordet wird, ist Conde vollends davon überzeugt. Und als er in den dunkelsten Vierteln Havannas endlich die engste Freundin Violetas ausfindig macht, öffnet sich ihm die Welt der Bolerosängerin nach und nach.
Padura hat mit seinem «Havanna-Quartett» die Latte des Lesevergnügens hoch gelegt. Sein neuester Roman steht den vier Krimis aber in nichts nach: er ist spannend, lebendig, fesselnd, interessant, versehen mit der nötigen Prise Deftigkeit, ohne vulgär zu werden. Und was Padura erneut meisterhaft gelingt: Er entführt den Leser in diese verkommene, heruntergewirtschaftete Stadt Havanna, in eine von Drogen und Alkohol, Verbrechen, Prostitution und Korruption verdorbene und vergiftete Gesellschaft, wo es trotzdem brodelt und kocht vor Lebensfreude. (Sonja Kolb)
