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04. September 2008
(Update) - «Neue Väter» kriegt das Land


Berlin - «Bei den Vätern ist erkennbar was in Bewegung geraten», konstatierte Renate Köcher, Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Die meisten Bürger haben einer am Donnerstag vorgestellten Umfrage zufolge den Eindruck, dass sich die Männer heute mehr um Erziehung und Betreuung ihrer Kinder kümmern als noch vor ein paar Jahren - und das finden sie auch gut so. Für die Allermeisten, auch und gerade für die berufstätigen Väter, ist die Familie das Wichtigste im Leben.

Wie zum lebendigen Beweis der Umfragezahlen zog zur gleichen Zeit der Berliner Grünen-Politiker Volker Ratzmann seine Kandidatur für den Parteivorsitz zurück: weil er Vater wird und auch seine Lebensgefährtin weiter in der Politik bleiben will. Die Verantwortung für die Grünen könne auch jemand anders tragen, aber «die Verantwortung für das Kind können nur wir beide übernehmen», sagte er zur Begründung.

Sie freue sich über jeden und jede, die Mut machten zu Kindern und die Erziehung als gemeinsame Aufgabe begriffen, sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen dazu. Wichtig sei, dass sich die Menschen selbst entschieden. Sie wolle den Rahmen schaffen dafür, dass dies möglich sei. Das Bedürfnis bei den jungen Männern sei gestiegen, sich um ihr Kind zu kümmern und als Vater präsent zu sein. Von einer starken Vaterrolle profitierten auch die Kinder. Grundsätzlich ist die Familie der Umfrage zufolge für die Allermeisten (76 Prozent) mit Abstand das Wichtigste im Leben, weit vor dem Freundeskreis, der Arbeit, der Freizeit oder der Möglichkeit, sich etwas leisten zu können. Von den berufstätigen Vätern nannten sogar 89 Prozent die Familie «sehr wichtig», 58 Prozent den Beruf.

Noch großer Nachholbedarf

Dennoch ist Erziehung und Betreuung nach wie vor in erster Linie Frauensache. 81 Prozent der Mütter übernehmen hier den größten Teil der Aufgaben. 17 Prozent der Mütter gaben an, dass sich ihr Partner genauso kümmert wie sie selbst - wobei allerdings doppelt so viele Väter davon überzeugt sind, dass sie mindestens die Hälfte der Erziehungs- und Betreuungsaufgaben übernehmen.

Von der Leyen wies darauf hin, dass immer mehr junge Männer auch die Elternzeit in Anspruch nehmen. Der «Trend zu den neuen Vätern» stelle auch die Arbeitswelt auf den Kopf. Dass sich die Männer mehr um ihre Kinder kümmern wollten, löse ein starkes Umdenken in der Wirtschaft aus: Wer nicht abgehängt werden wolle, müsse Kinder «mitdenken». Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf habe Deutschland aber noch immer großen Nachholbedarf.

Diesen Spagat zu erleichtern, ist für zwei Drittel der Bevölkerung dem Allensbach-Familienmonitor zufolge nach wie vor eine der wichtigsten Forderungen an die Familienpolitik. Genannt werden neben einem ausreichenden Angebot an Betreuungsplätzen, Ganztagsschulen und flexibleren Arbeitszeiten auch eine bessere Abstimmung der Öffnungszeiten von Kindergärten, Horten und Schulen mit den Arbeitszeiten der Eltern.

Förderung für Betriebskindergärten ausgeweitet

79 Prozent finden, die Unternehmen müssten mehr dafür tun, ihren Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Die überwältigende Mehrheit sehe hier erhebliche Defizite insbesondere bei flexiblen Arbeitszeiten, differenzierten Teilzeitangeboten und Hilfen bei der Kinderbetreuung. Stärkeres Engagement liege dabei durchaus auch im Interesse der Unternehmen. Immerhin würde die Mehrheit der nicht berufstätigen Mütter gerne wieder arbeiten, die meisten davon in Teilzeit.

Wegen des großen Nachholbedarfs erweitert die Bundesregierung jetzt das zu Jahresanfang gestartete Förderprogramm für betriebliche Kinderbetreuung. Können bislang nur kleine und mittlere Unternehmen Zuschüsse für den Betriebskindergarten erhalten, sind es künftig auch Betriebe mit mehr als 1.000 Beschäftigten und Universitäten, die Betreuungsplätze für die Kinder der Studierenden schaffen. Zudem kündigte von der Leyen für den Herbst den Start des Aktionsprogramms Kindertagespflege an, das die Zahl der Tagesmütter erhöhen, ihre Qualifizierung stützen und ihre Arbeitsbedingungen verbessern soll.








 
 



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