Die Befreiung der ehemaligen kolumbianischen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt nach sechsjähriger Geiselhaft ist in Deutschland mit großer Erleichterung aufgenommen worden. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, nannte die Befreiungsaktion einen «Riesenerfolg» für den kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe. Zahlreiche Politiker forderten die Guerillaorganisation FARC auf, nun umgehend auch die übrigen Geiseln freizulassen.
Nooke sagte in Inforadio des rbb, es zeige sich, dass sich ein klarer Kurs gegen die Rebellen der FARC lohne. «Sie weiter zu schwächen, ist auch Aufgabe verantwortlicher Politiker», betonte er.
Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Reinhard Bütikofer äußerten große Freude und Erleichterung über die Befreiung ihrer kolumbianischen Parteifreundin und 14 weiterer Geiseln «ohne Gewalt». Präsident Uribe müsse nun einen Weg finden, auch die über 700 noch in der Hand der FARC befindlichen Geiseln zu befreien. «Wir appellieren deshalb an die FARC, eine Lösung des Konflikts am Verhandlungstisch zu suchen und keine Vergeltungsmaßnahmen zu treffen.»
Die außenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Kerstin Müller, erklärte, die FARC solle die gewaltfreie Befreiungsaktion der kolumbianischen Armee als «Friedenszeichen verstehen». Sie solle die Chance nutzen, ihre politischen Forderungen am Verhandlungstisch und nicht mit der Waffe auszutragen.
Der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Wolfgang Gehrcke, äußerte ebenfalls die Erwartung, dass die FARC nun alle Geiseln freilasse. Er rief die «Regierung Uribe und auch die FARC auf, unmissverständlich die Bereitschaft zu Friedensverhandlungen zu signalisieren». Er meinte darüber hinaus, die Regierung Uribe wäre «gut beraten», auch ihrerseits gefangen genommene FARC-Rebellen freizulassen.
Der CSU-Politiker Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg kritisierte, dass «die FARC selbst in Deutschland über ein linksextremistisches Unterstützermilieu verfügt, welches weit in die Partei Die Linke hineinragt».
