Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet in absehbarer Zeit nicht mit der Aufnahme aufstrebender Wirtschaftsmächte wie China und Indien in den Kreis der G-8. In einem AP-Interview sprach sie sich stattdessen dafür aus, die 2007 beim Gipfel in Heiligendamm begonnene Kooperation mit den wichtigsten Schwellenländern über die Probezeit von zwei Jahren hinaus fortzusetzen. Sie könne sich sehr gut vorstellen, dass der sogenannte Heiligendamm-Prozess zu einer «kontinuierlichen Plattform» entwickelt werde.
Der Gruppe der führenden Industrienationen gehören derzeit die USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Kanada, Russland und Italien an. Im vergangenen Jahr wurde in Heiligendamm ein Prozess enger Konsultationen mit der sogenannten G-5 in die Wege geleitet, der die Schwellenländer China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko angehören. «Ich finde diesen Weg ausreichend flexibel», sagte Merkel. «Ich glaube, es gibt Punkte, die können besser und effizienter unter den G-8-Ländern besprochen werden. Und es gibt andere Themen, die wir nur mit den G-5 sinnvoll erörtern und lösen können.»
Die G-8 treffen sich nächste Woche Mittwoch, am Abschlusstag ihres Gipfels mit den Schwellenländern. Dabei soll es einen Zwischenbericht zum sogenannten Heiligendamm-Prozess geben. Beim Gipfel 2009 in Italien wird es einen weitere Bericht gegeben, danach wird über das weitere Vorgehen entschieden.
Wenn es nur nach der Wirtschaftskraft geht, hätte China längst einen Anspruch darauf, zu den führenden Industrienationen gezählt zu werden. In den letzten Jahren hat sich das Reich der Mitte bis auf Platz vier der internationalen Wirtschaftsrangliste vorgearbeitet. 1990 lag der Anteil Chinas am weltweiten Bruttoinlandsprodukt noch bei 5,7 Prozent. Bis 2005 verdreifachte sich dieser Wert fast auf 15,4 Prozent - Tendenz weiter steigend.
