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04. Juli 2008
68er Helden waren auch Winnetou und Werner Enke


Frankfurt - Star-Rummel war nach dem Zeitgeist von 1968 verpönt. Die tonangebenden Linken sahen die Unterhaltungsbranche als Teil des von ihnen bekämpften kapitalistischen Systems. Wer «in» war, hörte «nicht kommerzielle Musik». Die große Mehrheit aber ließ sich den Spaß nicht verderben. Für Partystimmung sorgte James Last, und die Hitparaden beherrschten Schnulzen von Heintje, Roy Black, Peter Alexander, Tom Jones und die Bee Gees.

Die beliebtesten Filmstars des Jahres 1968 waren für die «Bravo»-Leser «Winnetou»-Darsteller Pierre Brice, der Groschenkrimi-Held «Jerry Cotton» in Gestalt des Schauspielers George Nader auf Platz zwei und an dritter Stelle der österreichische Frauenliebling Robert Hoffmann, der 1964 mit dem Vierteiler «Die Abenteuer des Robinson Crusoe» bekannt wurde.

Die traditionellen Helden-Ikonen galten bei der rebellischen Jugend wie fast alles, was die Elterngeneration mochte, als vorgestrig und spießig. Aber Anfang 1968 erschien eine neue Identifikationsfigur auf der Bildfläche: Martin aus München machte als Antiheld Furore, erdacht und im Film «Zur Sache, Schätzchen» verkörpert von Drehbuchautor und Schauspieler Werner Enke. Der schlaksige, lakonische Typ war cool, weil er gerne «schlaff» war und «keinen Bock» hatte. Nur wenn es «zur Sache» gehen sollte, wurde er munter und unterrichtete «Schätzchen» Barbara (Uschi Glas) anhand vieler Beispiele, was «Fummeln» ist.

Die Elterngeneration empörte sich über solche «Gammler», die keine «ordentliche» Frisur hatten, also die Haare wachsen ließen, «Hochwasser-Hosen» und Parka trugen. «Das wird böse enden» - Enkes berühmt gewordener Spruch - brachte den Spaß an der Provokation auf den Punkt.

Die rebellische Haltung wurde rasch zur Mode, und auch Ältere pfiffen gerne auf Konventionen. So kamen die Stargäste Elizabeth Taylor und Richard Burton 37 Minuten verspätet zur Bambi-Verleihung in München und ließen sich dann, in der ersten Reihe für jedermann gut sichtbar, bis zum Rand gefüllte Gläser reichen. Das Raunen des Publikums war unüberhörbar. Es sei klares Wasser gewesen, hieß es hinterher.

Neue Modevorbilder durch Veruschka und Julie Driscoll

Die Szene, die «Sex, Drugs and Rock"n"Roll» propagierte, wurde bewundert und zum Vorbild genommen, aber die Medien beherrschten Stars mit «sauberem» Image. Auf den Titelbildern der Illustrierten «Bunte» waren 1968 zum Beispiel sportliche Idole wie das Eiskunstlaufpaar Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler oder der «Skikönig» Franz Keller zu sehen. Der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard wurde mit seiner ersten Herztransplantation berühmt. Präsidentenwitwe Jackie Kennedy machte Schlagzeilen, als sie überraschend den Reederkönig Aristoteles Onassis heiratete. Spektakulär war auch die Heirat des norwegischen Thronfolgers Harald mit der Bürgerlichen Sonja Haraldsen. Zu den meistumschwärmten Filmschauspielerinnen gehörten immer noch Brigitte Bardot, damals mit Gunter Sachs verheiratet, Sophia Loren, Elke Sommer, Senta Berger und Romy Schneider.

Aber auch neue Modevorbilder waren da - zum Beispiel die Amerikanerin Faye Dunaway, die im Gangsterdrama «Bonnie and Clyde» so lässig den Schlapphut trug. Das langgliedrige Fotomodell Veruschka galt als Inbegriff der Schönheit, sogar Romy Schneider wünschte sich, wie sie auszusehen. Die Zeitschriften «Elle» und «Vogue» wählten die englische Sängerin Julie Driscoll (»This Wheel"s On Fire») zum «Typ 1968»; sie hatte einen Kurzhaarschnitt und mit kohlschwarzen Linien umrahmte Augen.

Populärer war in Deutschland aber Sandy Shaw (»Puppet On a String») sowie die Schlagersängerinnen Mireille Mathieu, Conny Froboess und Manuela. Mit Nummer-1-Hits waren die Bee Gees auf ihrer ersten großen Erfolgswelle (»Massachusetts», «World, «Words»), «The Tiger» Tom Jones schaffte es mit «Delilah» und «Help Yourself» an die Spitze, Peter Alexander mit «Der letzte Walzer», einer Coverversion des Engelbert-Hits «The Last Waltz», und Kinderstar Heintje trällerte «Du sollst nicht weinen» und «Heidschi Bumbeidschi». Heintje und Peter Alexander mehrten ihre Fangemeinde mit der Kinokomödie «Die Lümmel von der ersten Bank».

Weitere Spitzenhits waren hier zu Lande «Hello Goodbye» und «Hey Jude» von den Beatles, «Mighty Quinn» von Manfred Mann, «Jumpin" Jack Flash» von den Rolling Stones, «Those Were The Days» von Mary Hopkin und «Judy in Disguise» von John Fred & His Playboy Band. Dauerpräsent im Radio waren auch Cliff Richards mit «Congratulations» oder Roy Black mit «Ich denk an dich».






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