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04. Juli 2008
Ein teurer Abschied


Düsseldorf - Es ist ein teurer Abschied für Nokia. Fast eine Viertel Milliarde Euro kostet den weltgrößten Mobiltelefon-Hersteller alles in allem die Schließung seines Handy-Werkes in Bochum. Allein 200 Millionen Euro fließen in den Sozialplan für die 2.300 Beschäftigten des Werkes. Und jetzt muss das finnische Unternehmen noch einmal rund 40 Millionen Euro in die Hand nehmen, um den seit Monaten schwelenden Subventionsstreit mit dem Düsseldorfer Wirtschaftsministerium zu beenden.

Schadensbegrenzung war für den Weltmarktführer zuletzt das Gebot der Stunde. Denn die rüde Ankündigung der Finnen, trotz ihrer Milliardengewinne das Bochumer Werk zu schließen, hatte im Frühjahr in ganz Deutschland zu einem Proteststurm und sogar zu Aufrufen zu einem Nokia-Boykott geführt.

Dies konnte zwar die Finnen nicht umstimmen. Doch zwang der öffentliche Protest den Handy-Hersteller, tief in die Tasche zu greifen, um den drohenden Imageschaden zumindest zu begrenzen. So konnte die Bochumer Nokia-Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach schon im April eine der besten bisher in Deutschland getroffenen Sozialplan-Vereinbarungen bekanntgeben.

Millionen für neue Arbeitsplätze

Nun kann auch Nordrhein-Westfalen dem reichen finnischen Konzern noch einmal etliche Millionen zur Förderung der Region um Bochum aus der Tasche ziehen. Die Landesregierung hatte von Nokia nach Bekanntgabe der Schließungspläne insgesamt fast 60 Millionen Euro an Subventionen zurückgefordert, da das Unternehmen in seinem Bochumer Werk die mit den Finanzhilfen verbundenen Arbeitsplatzzusagen nicht erfüllt habe.

Zwar bestreitet Nokia diesen Vorwurf bis heute. Dennoch ließ sich der Konzern auf einen Kompromiss ein. Nokia wird zwar nicht 60, aber doch 20 Millionen Euro zurückzahlen. Und außerdem soll der Nettoerlös aus dem Verkauf des Bochumer Werksgeländes - immerhin 90.000 Quadratmeter Hallenfläche sowie 70.000 Quadratmeter Büros und sonstige Räumlichkeiten - in das Programm «Wachstum für Bochum» fließen. Das könnten noch einmal 20 Millionen Euro sein, heißt es im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium unter Berufung auf Gutachter. Das Land selbst wird weitere 20 Millionen Euro an Fördermitteln bereitstellen. Mit dem Geld soll die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze im Ruhrgebiet gefördert werden.

Denn Ruhrgebietsstadt wird allerdings nur von einem Bruchteil dieses Geldes profitieren. Die Subventionsgelder für Nokia stammten aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsförderung für strukturschwache Regionen und fließen auch wieder in diesen Topf zurück.

«Ein guter Tag für Bochum»

Bochum gehört seit 1999 - wohl auch wegen der erfolgreichen Nokia-Ansiedlung - allerdings nicht mehr zu den Gebieten, die aus diesem Topf gefördert werden können. So werden die Nokia-Millionen und auch die 20 Millionen, die das Land an Eigenmitteln dazu aufbringen muss, gar nicht nach Bochum fließen, sondern in strukturschwache Nachbarstädte wie Dortmund, Duisburg oder Gelsenkirchen.

Direkt profitieren wird Bochum allerdings vom Verkaufserlös des Nokia-Geländes. Mit den Einnahmen soll die Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen auf dem Grundstück gefördert werden. Allerdings ist allen Gutachterprognosen zum Trotz noch offen, wie viel Geld am Ende fließen wird. Letztlich werde die Höhe des Kaufpreises natürlich auch davon beeinflusst werden, wie viel neue Arbeitsplätze der Investor dort schaffen wolle, betonte Wirtschaftsministerin Christa Thoben.

So hofft Bochum nicht nur auf Geld, sondern setzt auch auf das Versprechen von Nokia, seine weltweiten Kontakte zu nutzen, um für den Standort Bochum zu werben. Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz zeigte sich am Donnerstag demonstrativ optimistisch: «Das ist ein guter Tag für Bochum.»








 
 



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