Die Zustimmung zur Atomenergie in Europa ist laut einer Umfrage im Auftrag der EU-Kommission gestiegen. 44 Prozent der knapp 27.000 befragten EU-Bürger befürworteten die Nutzung der Kernkraft zur Stromproduktion, teilte die Brüsseler Behörde am Donnerstag mit. Dies sei ein Anstieg um sieben Prozentpunkte seit der letzten Eurobarometer-Erhebung zur Atomenergie im Jahr 2005. Der Anteil der Atomkraftgegner an der EU-Gesamtbevölkerung ging dagegen von 55 Prozent auf 45 Prozent zurück.
Diese Durchschnittswerte sind nur eingeschränkt vergleichbar: Für die aktuelle Umfrage wurden die Bürger von 27 Staaten befragt, bei der vorausgehenden Erhebung im Jahr 2005 dagegen waren Bulgarien und Rumänien der EU noch nicht beigetreten und wurden auch nicht erfasst. Doch auch bei der Betrachtung der Ergebnisse für die übrigen 25 Staaten zeichnet sich ein Trend zugunsten der Atomenergie ab: In 18 Ländern nahm die Zahl der Kernkraft-Befürworter zu, nur in sieben blieb sie seit 2005 stabil oder ging zurück.
Atomkraftgegner in Deutschland knapp in der Mehrheit
In Deutschland stieg die Zustimmung zur Atomkraft seit 2005 um acht Prozentpunkte auf 46 Prozent. Die deutschen Atomkraftgegner verfügen damit nur noch über eine hauchdünne Mehrheit von 47 Prozent. Die höchsten Zustimmungsraten für die Kernenergie wurden mit jeweils 64 Prozent in Tschechien und Litauen erzielt, der Anteil der Atomkraftgegner ist mit 83 Prozent in Österreich am höchsten.
Den Atomkraftgegnern wurde zusätzlich die hypothetische Frage gestellt, ob sie im Falle einer sicheren Lösung zur Lagerung von Nuklearabfällen ihre Meinung ändern würden. 48 Prozent der Kritiker erklärten, dies hätte keinen Einfluss auf ihre Haltung. Weitere acht Prozent erwiderten, sie glaubten nicht an eine sichere Endlagerung von Atomabfällen. Die EU-Kommission musste auf Anfrage einräumen, bis auf Frankreich und Finnland habe bislang kein einziger EU-Staat auch nur eine dauerhafte Lösung zur Entsorgung des strahlenden Mülls gefunden.
