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04. Mai 2008
Börsengänge seit Jahresbeginn weltweit eingeknickt


Frankfurt - Die internationale Finanzkrise sowie Kursstürze an den Aktienmärkten haben Unternehmen mit Börsenambitionen massiv abgeschreckt: Der Markt für Neuemissonen ist seit Jahresbeginn rund um den Globus drastisch eingebrochen, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young beobachtet hat. Im ersten Quartal 2008 ging die Zahl der Initial Public Offerings (IPOs), wie das erstmalige Platzieren von Aktien auch genannt wird, weltweit um 60 Prozent zurück. Experten rechnen frühestens für den Herbst mit etwas Besserung - vorausgesetzt, es kehrt wieder mehr Ruhe ein.

In Deutschland liegt das IPO-Geschäft fast ganz am Boden. Nur zwei Firmen wagten sich von Januar bis März 2008 aufs unsichere Parkett. Ihre Zeichnungsfristen liefen allerdings schon seit letztem Jahr. Ende April traute sich noch ein dritter Börsenneuling aus der Deckung. Im Jahr zuvor hatten allein im ersten Quartal noch 17 Neulinge zum Sprung an die Deutsche Börse angesetzt. Wie gelähmt verhielten sich auch Investoren im übrigen Europa, so eine Studie der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC): «Die anhaltende Unsicherheit an den Finanzmärkten hinterlässt tiefe Spuren», betont Volker Fitzner von PwC.

Nach jahrelangem Stillstand war das deutsche IPO-Karussell 2006 mit 76 klassischen Neuemissionen und 113 im Freiverkehr gerade erst wieder so richtig in Schwung gekommen. Das Jahr drauf ließ sich zunächst ebenfalls gut an. Für 2007 hatten in Deutschland so viele Börsenneulinge ihr Debüt angekündigt wie seit 2000 nicht mehr. Weltweit brummte das Geschäft ohnehin bereits seit längerem. Optimistische Branchenkenner sprachen schon von einem neuen Boomjahr - bis die so genannte Subprimekrise am US-Hypothekenmarkt dem Aufschwung im Juli ein jähes Ende bereitete.

Seither ist die Stimmung gedrückt, das Börsenumfeld äußerst wackelig. Geplante Emissionen werden verschoben oder schlichtweg ganz abgesagt. Die Angst vor einem teuren Flop sitzt tief.


Das erste Halbjahr abhaken

«Wen wundert"s, die Unternehmen wissen, dass sie in einer besseren Börsenphase beim IPO mehr Geld erlösen könnten», erläutert Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Auch Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) sagt: «Die Bereitschaft sinkt deutlich, bei einer solchen Marktverfassung ins Risiko zu gehen.» Ein günstiges Börsenumfeld ist grundsätzlich wichtig für das Platzieren neuer Aktien. Die Vorbereitungen für einen Börsengang dauern etwa bis zu sechs Monate oder auch länger.

«Das erste Halbjahr 2008 können wir jedenfalls komplett abhaken», sagt Falko Bozicevic vom Fachmagazin «GoingPublic», der die weltweiten IPO-Märkte seit Jahren beobachtet. Wer mit seinem Debüt warten könne, werde warten. Eventuell werde sich die Deutsche Bahn noch im zweiten Halbjahr an die Börse wagen - mit einem Emissionsvolumen im Milliardenbereich. Mehr als 10 bis 20 Börsengänge seien aufs Gesamtjahr gesehen aber sicher nicht drin.

Besonders hart getroffen hat die Finanzkrise die für 2008 geplanten Börsengänge von Immobilien-Aktiengesellschaften, so genannten «Real Estate Investment Trusts» (Reits), deren Parkettdebüts in Deutschland mit Spannung erwartet worden waren. Seit 2007 sind erst zwei börsennotierte Reits am Start, die deutsche Immobilien kaufen, betreiben und verkaufen. Das Besondere im Vergleich zu anderen AGs: Reits sind von der Gewerbe- und Körperschaftssteuer befreit. Sämtliche Planungen in diesem Bereich seien für 2008 jedoch erst einmal verschoben oder ganz abgeblasen, berichtet Bozicevic.


Mit IPOs Geld verlieren statt gewinnen

Für Anleger tun sich derzeit also kaum Chancen auf, von IPOs zu profitieren. Im Gegenteil: Ein Investment in taufrische Aktien ist in unsicheren Börsenzeiten noch riskanter als sonst. Das zeigt die Statistik der Experten von «Going Public». Danach liegen fünf der sechs größten Neulinge an der Deutschen Börse aus 2007 unter ihrem Ausgabepreis. Wer im vergangenen Jahr investierte, ging in der Regel finanziell baden, heißt es. Die Debütanten verloren seit Erstnotierung im Schnitt fast 10 Prozent. «Anleger sollten sich momentan auf bewährte Titel konzentrieren und auf deren Aktien vertrauen», macht Aktionärsschützer Heise Mut. «Die großen deutschen Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht.»






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