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03. September 2007

Die Sehnsucht nach dem nationalen Champion



Düsseldorf - Frankreich wird künftig zwei der drei größten europäischen Energieversorger stellen. Präsident Nicolas Sarkozy hat seinen Einfluss geltend gemacht und die seit 18 Monaten vor sich hindümpelnde Fusion von Gaz de France (GdF) und Suez zum neuen Energieriesen GDF Suez doch noch zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Der neue Konzern wird nach Umsatz gerechnet hinter Electricité de France und E.ON die Nummer drei in Europa sein. Andere Konzerne wie die spanische Iberdrola, die italienische Enel oder der deutsche RWE-Konzern liegen abgeschlagen deutlich hinter dem Spitzentrio.

Mit seiner Intervention steht Sarkozy in einer langen Tradition französischer Industriepolitik, die stets bemüht war, die Position eigener Konzerne in Europa zu stärken. Doch allein steht Paris mit der Sehnsucht nach nationalen Champions nicht. Tatsächlich scheint ein starker nationaler Energieanbieter vielen EU-Ländern nach wie vor der sicherste Garant für Versorgungssicherheit zu sein.

Auch die Bundesregierung ignorierte die Kritik von Wettbewerbshütern, als sie mit einer Ministererlaubnis dem Düsseldorfer E.ON-Konzern die Übernahme des größten deutschen Stromimporteurs Ruhrgas gestattete und damit einen deutschen Megaplayer schuf. Und Spanien verteidigte den eigenen Strom-Marktführer Endesa mit mehr als dubiosen Mitteln gegen die Übernahmepläne von E.ON, um wenigstens einen gewissen nationalen Einfluss auf den Konzern zu behalten.

Kurz gesagt: Bei Gas und Strom hört in Europa der Spaß auf. Die nationalen Interessen werden mit Vehemenz verteidigt. Das wird in Kürze auch wieder die EU-Kommission erleben. Sie will die Energiekonzerne zwingen, die Kontrolle über ihre Leitungsnetze komplett abzugeben, um so endlich den lahmenden Wettbewerb anzukurbeln.


Angst vor Gazprom und Co.


Doch ist die EU in dieser Frage tief gespalten. Deutschland, Frankreich und einige andere EU-Mitglieder haben bereits massiven Widerstand gegen die Zerschlagung der Energieversorger angekündigt und wollen ihre Konzerne vor dem Brüsseler Zugriff schützen. Andere EU-Länder, angeführt von Großbritannien, unterstützen die Brüsseler Pläne.

Doch könnte sich dieser Streit schon bald als provinziell erweisen. Denn während sich die Europäer noch streiten, wächst die Angst, Russland oder arabische Ölstaaten könnten sich durch staatlich kontrollierte Konzerne wie Gazprom oder durch milliardenschwere Staatsfonds den Zugriff auf Energieversorger in der EU sichern.

Spekulationen über einen möglichen Einstieg von Gazprom beim zweitgrößten deutschen Energieversorger RWE oder bei diversen Stadtwerken sorgten in den vergangenen Monaten immer wieder für Unruhe. Und die von der EU geplante Zerschlagung der großen europäischen Stromkonzerne könne den Energieproduzenten den Einstieg sogar noch erleichtern, wird befürchtet.

Angesichts der wachsenden Ausverkaufsfurcht erwägt inzwischen - übereinstimmenden Medienberichten zufolge - auch die EU-Kommission eine Reihe von Schutzmaßnahmen für den europäischen Energiesektor. So soll die Trennung von Produktion und Netzbetrieb auch für Konzerne aus Drittstaaten gelten. Das könnte vor allem für Gazprom ein Engagement unattraktiv machen.

Gedacht werde außerdem etwa an eine «Gegenseitigkeitsklausel»: Sie würde Unternehmen aus Russland oder Saudi-Arabien den Weg nach Europa versperren, da EU-Firmen in diesen Ländern nur stark eingeschränkte Investitionsmöglichkeiten haben, berichteten die Financial Times Deutschland und das Handelsblatt. Darüber hinaus werde die Möglichkeit erwogen, die Energiebranche zu einem «strategischen Sektor» zu erklären und Investoren aus Drittstaaten damit weitgehend auszuschließen.

Zwar ist Europa über seine Energiepolitik zerstritten. Doch den Konflikt löst man doch lieber in der Familie.




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