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03. Juni 2007

Hunger treibt G-8-Gegner zu McDonald's



Rostock - Wer seinen Proviant nicht selbst zur Rostocker Großdemonstration mitgebracht hatte, musste hungern - oder eigenen Forderungen zuwider handeln: Denn in der Rostocker Innenstadt hatten aus Angst vor Randale am Samstagabend fast alle Imbisse und Lokale geschlossen, nicht aber die Fast-Food Ketten Burger King, McDonald"s, Pizza Hut und Subway.

Vor ihren Türen bildeten sich Schlangen von Demonstranten, die einträchtig neben Polizisten darauf warteten, etwas bestellen zu können. So stieß man dann in den Fast-Food-Tempeln mit Coca-Cola an, tischte Pommes in Mayo und Ketchup auf, aß Burger und Pizzen, während vor den Schaufenstern die Demonstranten vorbei zogen und Parolen wie «Stoppt den Kapitalismus» oder «Nieder mit der Globalisierung» skandierten.

Gerade die Hamburger-Ketten wie McDonald"s stehen in der Kritik der Globalisierungsgegner, weil sie zur umweltschädlichen industriellen Fleischproduktion beitragen und in aller Welt die örtlichen Ernährungstraditionen bedrohen.


Ölkonzern lieferte Bier an die Demonstranten


Aber schon ehe die hungrigen Globalisierungsgegner ihr Geld bei McDonald"s und Co. auf den Tresen legten, profitierte einer der sonst so verachteten Öl-Großkonzerne von ihnen: Der Demonstrationszug passierte eine Tankstelle des französischen Unternehmens Total und sorgte dort für großartige Geschäfte: Während Bäckerläden und Imbisse entlang der Route auch hier aus Angst vor Ausschreitungen geschlossen hatten, spekulierte man bei der Tankstelle auf den Hunger der Massen. Die Demonstranten hatten schon drei Kilometer hinter sich, als die Tankstelle auftauchte. Der Verkaufsraum war sofort gerammelt voll mit Kunden aus der Demo, beliebtester Artikel war Bier vor Brötchen und Gebäck.

Da wegen des Umzugs sowieso keine Autos an die Station kommen konnten, hatten die Tankwarte die ganze Waschstraße mit Getränkekisten vollgestellt und dort sogar einen zweiten Verkaufstresen eröffnet.

Und während die männlichen Demonstranten ihre Verachtung für den französischen Ölmulti durch einen Toilettengang hinter das Gebäude ausdrücken konnten, waren Frauen dankbar für den Kloschlüssel.

Geöffnet hatten auch die Geschäfte im Bahnhof. «Das war ein gutes Geschäft, aber jetzt will ich nach Hause, ich habe seit drei Stunden Feierabend», sagte der erschöpfte Mitarbeiter eines Imbisses.




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