Bremen - Ein Elternpaar will vor dem Oberverwaltungsgericht Bremen die Schulpflicht für seine beiden Söhne aushebeln. Der ausgebildete Lehrer und die Biologin wollen die beiden Kinder zu Hause unterrichten. In der mündlichen Verhandlung am Dienstag sollte geklärt werden, ob die Eltern den Anspruch auf Befreiung von der Schulpflicht haben, wie das Gericht mitteilte. In einem ersten Verfahren vor dem Verwaltungsgericht war die Familie Ende 2006 dem Bildungsressort des Bremer Senats unterlegen.
Der Vater der Kinder, Tilman Neubronner, erklärte am Dienstag vor Gericht, er sei Anfang 2008 mit den 1996 und 1999 geborenen Söhnen von Bremen nach Frankreich gezogen. In Frankreich sei der Heimunterricht erlaubt. «Wir würden aber gerne wieder in Bremen leben», sagte Neubronner, der mit seiner in Bremen gebliebenen Frau einen Kleinverlag betreibt.
Nach Angaben des Vaters nehmen die beiden Jungen an einem Heimunterrichts-Projekt einer Schule aus Irland teil. Die Familie probierte demnach 2005, als sie aus dem Allgäu nach Bremen gezogen war, für kurze Zeit den staatlichen Schulunterricht aus. Das sei aber nicht erfolgreich gewesen, die Kinder hätten sich nicht wohlgefühlt, erklärte Neubronner.
Die Söhne sind nach seinen Worten trotz Heimunterricht nicht von anderen Kinder isoliert: Sie singen im Chor und spielen Fußball im Verein, wie er sagte. Die Kinder saßen bei der Gerichtsverhandlung in der ersten Reihe und folgten aufmerksam dem Gespräch.
Verstoß gegen das Grundgesetz kritisiert
Die Eltern sind der Ansicht, dass die Schulpflicht gegen das Grundgesetz verstößt. Außerdem erklärten sie, dass die Schulpflicht sowieso durchlöchert sei: So hätten etwa die schulpflichtigen Mitglieder der Band Tokio Hotel Heimunterricht bekommen, ebenso wie Diplomatenkinder. Ein Vertreter der Stadt Bremen betonte dagegen, dass in Bremen nur schwerkranke Kinder von der Schulpflicht ausgenommen werden.