Leipzig - Der offizielle Gegenbewerber aus der CSU für das Amt des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008, das einfache Parteimitglied Horst-Florian Jaeck, erwartet von der CSU-Spitze eine Einladung zur nächsten CSU-Präsidiumssitzung. Die CSU-Spitze plant, nach der jüngsten Bespitzelungs- und Personaldebatte, am 8. Januar sich mit dem amtierenden Ministerpräsidenten und Parteivorsitzenden Edmund Stoiber zu solidarisieren.
Gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" (Donnerstag-Ausgabe) sagte Jaeck, der 29 Jahre alt und seit drei Jahren CSU-Mitglied ist: "Ich weiß nicht, inwieweit das die Herren der CSU dort oben wirklich ernst nehmen. Ich würde mir wünschen, dass sie mein Anliegen ernst nehmen. Ich würde deshalb eine Einladung zur Teilnahme an der Präsidiumssitzung gerne annehmen." Zu seiner Motivation für die eigene Kandidatur meinte Jaeck: "Ich möchte Herrn Dr. Stoiber nicht unbedingt stürzen. Aber ich würde es begrüßen, wenn er sagt: Gut, es gibt so viel Kritik an mir, ich stelle mich einer Urwahl, um die Chancen der CSU bei der Landtagswahl zu optimieren. Wenn er bei der Urwahl gewinnt, dann hat er eine legitime Basis für seine Kandidatur. Dann würde ich ihn in jedem Fall auch wieder mit tragen."
include("http://www.net-tribune.de/tags/contentads/01.php"); ?>Es sei nicht richtig, dass von oben herab alles bestimmt werde. "Ich möchte einen Beitrag dafür leisten, dass die CSU sich wandelt. Wie Frau Pauli bin ich der Meinung, es muss mehr von der Basis her entschieden werden. Wir brauchen eine lebhaftere Demokratie, mehr Volksentscheide, mehr direkten Einfluss der Bürger auf Entscheidungen", meinte der Stoiber-Herausforderer. Das kritische Verhalten der Fürther Landrätin Gabriele Pauli sei sehr mutig. "Die CSU braucht mehr so mutige Leute, die sich trauen, auch einmal gegen die Obrigkeit Stellung zu beziehen. Der Herr Dr. Stoiber sollte nicht mit dem CSU-Präsidium ausmachen, er tritt als Ministerpräsident 2008 wieder an und damit sei die ganze Angelegenheit erledigt."
Natürlich wisse er, "dass ich nicht so viel an Leistung vorzubringen habe wie er", meinte Jaeck. "Aber einer muss sich ja trauen." Er sei natürlich kein Profi wie Stoiber. "Aber mein Vorteil könnte sein, dass ich unbelastet bin von Machtstrukturen. Ich bin weniger Realpolitiker als viel mehr Idealist. Mit 29 Jahren bin ich noch ziemlich unverbraucht. Vielleicht hat man da auch eher den Mut, wichtige Themen fundamentaler anzugehen." Der Staat dürfe beispielsweise nicht ständig die Steuern erhöhen, forderte Jaeck. Er ist jetzt schon gigantisch aufgebläht. Man müsse den Staat reduzieren, beispielsweise durch die Zusammenlegung von Landkreisen und von Bundesländern. Die Verwaltung müsse einfacher werden. Als bayerischer Ministerpräsident könnte man sich maßgeblich für eine sinnvolle Staatsstrukturreform einsetzen.
"Die Amtszeit des Ministerpräsidenten sollte zudem auf zwei Legislaturperioden beschränkt werden, dann hätten wir das aktuelle Problem in der CSU gar nicht. Das funktioniert doch in den USA auch", forderte Jaeck. Er gehe im Übrigen nicht davon aus, dass auch er jetzt CSU-intern von der Spitze her bespitzelt werde. "Ich bin schon noch so blauäugig, dass ich nicht annehme, nun bespitzelt zu werden. Ich hoffe einfach, dass man auch auf meine Argumente, und auf die von Frau Pauli, eingeht. Ich möchte Herrn Dr. Stoiber nicht persönlich angreifen. Deshalb gehe ich auch davon aus, dass ich nicht umgekehrt persönlich angegriffen werde", so Jaeck.