Wer zurzeit ein Auto mietet, muss sich überlegen, ob er einen Aufpreis für Winterreifen zahlt oder bei einem Unfall hohe Regressforderungen riskiert. Die Verleiher verlangen um die 15 Euro mehr pro Tag für schneetaugliche Bereifung. Daran zu sparen, kann aber teuer werden. «Auch für Mietautos gilt natürlich, dass der Fahrer bei Schnee auf den Straßen mit geeigneten Reifen unterwegs sein muss», warnt Katrin Müllenbach-Schlimme vom ADAC.
Eine generelle gesetzliche Pflicht zu Winterreifen gibt es zwar weder in Deutschland noch in den Nachbarländern. Nach der Straßenverkehrsordnung in Deutschland muss die Ausrüstung des Autos aber dem Wetter angepasst sein. Bei Schnee, Eis und Matsch auf der Straße sind Winter- oder Ganzjahresreifen in Deutschland und Österreich Vorschrift. In Österreich, Italien und Frankreich können Schilder örtlich oder zeitweise Winterreifen vorschreiben, in der Schweiz drohen Fahrern hohe Strafen, wenn ihr Auto mit Sommerreifen auch nur den Verkehr behindert.
Bußgeld oder Verlust des Versicherungsschutzes drohen
Ob es dabei um das eigene oder ein gemietetes Auto geht, spielt im Zweifel keine Rolle. «Der Fahrer ist absolut in der Verantwortung, mit welchen Reifen er unterwegs ist», sagt Müllenbach-Schlimme. Die Vermieter seien dagegen vom Gesetzgeber zu nichts gezwungen. Wer das Fahrzeug ohne Winterreifen bestellt und auch bekommt, riskiert Bußgeld oder gar den Verlust des Kaskoschutzes. Daher sollten Mieter auf den Reifen nach der Kennzeichnung «M+S» oder einem Schneeflocken-Symbol schauen.
Bei Sixt beispielsweise sind Autos mit «wintertauglicher Bereifung» von Oktober bis April zu mieten. Von Dezember bis Februar seien mehr als 90 Prozent der Flotte mit Winterreifen ausgestattet, Konkurrent Europcar gibt ebenfalls 90 Prozent an und Avis nennt 80 Prozent. Da die Vermieter ständig neue Wagen in die Flotte auf- und alte herausnehmen, ändert sich der Anteil fließend.
Zusatzkosten zwischen 12 und 16 Euro pro Tag
Bei den bekannten Anbietern gibt es nur geringe Unterschiede in den Aufpreisen für Pkw: Sixt verlangt 16 Euro pro Wochentag, Hertz 15 Euro, Europcar 14,79 Euro und Avis 12 Euro.
Die Verleiher begründen die Zusatzgebühren mit hohen Kosten für die winterliche Ausrüstung der Flotte. Bei der Aufnahme von Autos mit Winterreifen in die Flotte zahle Europcar den Herstellern ebenso zusätzlich Geld wie bei der Rückgabe zum Sommerbeginn, erklärt Unternehmenssprecherin Stefanie Dargel. Manche Hersteller könnten nicht mit Winterreifen liefern. Dann müsse umgerüstet werden, was doppelt koste, da die Autos in dieser Zeit nicht vermietet würden. «Unsere Preise für Winterreifen decken diese Kosten und sind deshalb gerechtfertigt.»
ADAC-Expertin Müllenbach-Schlimme spricht ebenfalls von einem enormen Aufwand. Solange die Vermieter nicht die gesamte Flotte mit Winterreifen ausstatten müssten, könnten sie die Zusatzkosten auch nicht auf die allgemeinen Preise umlegen.
Die Expertin rät, sich im Kleingedruckten zu vergewissern und nachzufragen, ob der Mietwagen Winterreifen hat und wie es sich mit der Versicherung verhält. Wer zum Skiurlaub in die Alpen fahre, solle rechtzeitig entsprechend buchen.
