Im NS-Kriegsverbrecherprozess um den Tod von 14 italienischen Zivilisten hat ein Zeuge jegliche Kenntnis von dem Massaker bestritten. Auch zur Rolle des angeklagten früheren Wehrmachts-Offiziers Josef S. konnte der Zeuge am Donnerstag vor dem Münchner Landgericht kaum Angaben machen. «Ich hatte mit der Truppe als solches überhaupt nichts zu tun», sagte der 90-jährige Reinhold R..
Von der Ermordung italienischer Zivilisten durch deutsche Soldaten habe er erst vor etwa zwei Jahren bei den Ermittlungen durch Beamte des Bundeskriminalamtes erfahren. Er selbst sei als Oberfeldwebel zwischen Januar und Dezember 1944 in Italien für Versorgungsfahrten eingesetzt gewesen, sagte der Zeuge. Dabei sei er demselben Bataillonskommandeur unterstanden, dem auch der angeklagte Josef S. als Kompanieführer unterstand. Er habe den Angeklagten aber nur vom Namen her gekannt, sagte der Zeuge. Befehle habe er selbst nur vom Bataillonskommandeur empfangen.
Dem angeklagten 90-jährigen Josef S. wirft die Staatsanwaltschaft vor, als früherer Kompanieführer des Gebirgs-Pionier-Bataillons 818 im Juni 1944 in der Toskana einen Vergeltungsschlag als Reaktion auf den Tod zweier Soldaten durch einen Partisanenüberfall geplant und befohlen zu haben. Dabei sollen deutsche Soldaten vier Menschen erschossen und zehn weitere Männer in einem Haus in Falzano di Cortona in die Luft gesprengt haben. Der Rentner hatte zu Prozessbeginn jegliche Schuld zurückgewiesen.
Der Zeuge erklärte, seiner Erinnerung nach sei er zur Zeit des Massakers nicht in Italien, sondern wegen einer Versorgungsfahrt in Deutschland gewesen. «Ich habe keine Ahnung gehabt», sagte der Zeuge über den Tod der Zivilisten. Auch mit der Ausgabe von Sprengstoff habe er während seiner Zeit in Italien nichts zu tun gehabt. Der Prozess soll am kommenden Montag mit der Vernehmung eines Zeugen fortgesetzt werden, der zur selben Kompanie wie der Angeklagte gehörte.
