Trotz eines der größten Hilfseinsätze in der indischen Geschichte sind in den Hochwassergebieten im Nordosten des Landes immer noch rund 600.000 Menschen den Fluten ausgeliefert. Die Hälfte der 1,2 Millionen Menschen, die nach einem großen Deichbruch und anhaltendem Monsunregen obdachlos geworden sind, seien inzwischen in Sicherheit gebracht worden, erklärte ein Sprecher des Katastrophenschutzes im Unionsstaat Bihar, Prataya Amrit, am Dienstag.
Zum ersten Mal in der indischen Geschichte nahmen Soldaten aller Teilstreitkräfte an einem Hilfseinsatz teil. Mehr als 5.000 Soldaten aus Heer, Marine und Luftwaffe bemühten sich um die Rettung der von den Wassermassen eingeschlossenen Menschen. Die Lage verschlechterte sich unterdessen weiter. Im Bezirk Saharsa wurde eine wichtige Verbindungsstraße überschwemmt, wodurch die Logistik des Hilfseinsatzes noch schwieriger wurde.
Die meisten Geretteten kamen in von der Regierung eingerichteten Notunterkünften unter. Die Zahl der Opfer war noch nicht absehbar. Schätzungen reichten von dutzenden bis tausenden Toten. Die Vereinten Nationen (UN) warnten wegen der schlechten sanitären Verhältnisse, der Hitze und des Mangels an sauberem Trinkwasser in den behelfsmäßigen Notunterkünften vor dem Ausbruch von Krankheiten. Das Kinderhilfswerk UNICEF und Vertreter der Europäischen Union waren vor Ort, um zu prüfen, wie die Organisationen helfen könnten.
Im nordöstlichen Unionsstaat Assam meldeten die Behörden unterdessen ebenfalls schwere Überschwemmungen. 1.500 Dörfer seien überflutet und Hunderttausende auf der Flucht, erklärte der Minister für Katastrophenschutz, Bhumidar Barman, am Dienstag. Viele Gebiete seien für Rettungskräfte nur schwer zu erreichen.
Überschwemmungen zur Monsunzeit sind in Indien nicht ungewöhnlich. Wegen eines mehr als eineinhalb Kilometer großen Deichbruchs am Oberlauf des Flusses Kosi in Nepal ist es in diesem Jahr jedoch in Bihar zu verheerenden Überschwemmungen von hunderten Quadratkilometern Land gekommen. Milliarden Liter Wasser ergießen sich seither in die nordindischen Ebenen. Der sich täglich vergrößernde Deichbruch kann den Behörden zufolge erst im November am Ende der Regenzeit repariert werden. Der aus dem Himalaya kommende Kosi fließt normalerweise in den Ganges. In der diesjährigen Monsunzeit sind in ganz Indien nach letzten offiziellen Angaben mindestens 800 Menschen ums Leben gekommen.
