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02. August 2008
Die unbekannten Stars von Bayreuth


Bayreuth - Wenn der Vorhang nach einer Aufführung im Bayreuther Festspielhaus geschlossen wird, ist seit vielen Jahren eines ganz sicher: Dankbarer und begeisterter Applaus für den Chor, den seit dem Jahr 2000 Eberhard Friedrich aus Berlin leitet. Regisseure können beim Publikum durchfallen, Dirigenten umstritten sein, Tenöre mögen patzen und Sopranistinnen indisponiert sein - das sind die Ungewissheiten eines künstlerischen Ereignisses, das live stattfindet. Aber auf einen großartigen Auftritt des Festspielchors ist absolut Verlass.

134 Mitglieder umfasst dieses Stimmensemble aus 58 weiblichen und 76 männlichen Stimmen, die ansonsten meist in Berufschören von Opernhäusern und Rundfunkanstalten tätig sind. Die Frauen sind unterteilt in 1. und 2. Sopran sowie 1. und 2. Alt; die Männer in 1. und 2. Tenor sowie in 1.und 2. Bass. Bei allen handelt es sich um ausgebildete Sängerinnen und Sänger, die immer wieder auf ihre Befähigung für die Mitwirkung im Festspielchor geprüft werden. Das gilt auch für jene, die zum Teil schon seit vielen Jahren mit von der Partie sind. Es ist ein internationales Völkchen, das im Schlusschor der «Meistersinger von Nürnberg» auch in diesem Jahr singt: «Ehrt eure deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister».

Zwar stammen 38 der Sängerinnen und 50 der Sänger des Festspielchors aus deutschen Städten. Doch der genauere Blick auf die Namen lässt erkennen, dass die aus Darmstadt kommende Rostislava Belnikolova-Shishmanova oder Hemi Kwoun aus Karlsruhe zwar deutsch singen, aber eine ganz andere Muttersprache haben. Das trifft übrigens auch auf die einzige aus Norwegen in Bayreuth mitsingende Altistin zu. Die blonde Zuzanna Foremska ist aus Oslo gekommen, ihre Heimat liegt aber südöstlich davon. Die meisten ausländischen Chorsängerinnen, nämlich sieben, sind aus Österreich angereist. Su-Young Kwon aus Südkorea hat von allen den weitesten Weg nach Oberfranken hinter sich.

Ein einziger Chorsänger direkt aus der Wagner-Stadt

Aus Frankreich, Italien und den Niederlanden kommen je zwei weibliche Chormitglieder. Für immerhin drei Sängerinnen aus Bayreuth sind die Festspiele ein Heimspiel. Von den 76 Männern im Chor kommt nur der Bassist Hartwig Adler aus der Wagner-Stadt selbst. Insgesamt 50 männliche Chormitglieder sind dem Ruf der Festspiele aus allen Teilen Deutschlands gefolgt. Auffallend hierbei ist die erhebliche Zahl russischer oder östlicher Namen wie Juri Bogdanov aus Berlin oder Viktor Tsevelev aus Frankfurt am Main. Der Bass-Senior Juri Wischnjakov aus Moskau ist der einzige in seinem Heimatland wirkende russische Sänger im Chor.

Die Niederlande mit sechs und Großbritannien mit fünf Choristen sind bei den männlichen Stimmen am stärksten vertreten. Scott Carlton aus New York hatte die längste Anreise unter den Tenören und Bassisten des musikalischen Prunkstücks auf dem Grünen Hügel. Bei den diesjährigen Festspielen sind die 134 Sängerinnen und Sänger übrigens etwas weniger gefordert als in anderen Jahren: Denn die an Choreinsätzen besonders reichen Wagner-Opern «Tannhäuser» und «Lohengrin» stehen derzeit nicht auf dem Programm, ebenso wenig der chorfreudige «Fliegende Holländer».

Aber die Neuinszenierung von «Parsifal» und erst recht die großen Chorszenen bei den «Meistersingern» bieten den unbekannten Stars der Festspiele Gelegenheit genug, die mitreißende Macht des gemeinsamen Gesangs schöner Stimmen zu demonstrieren und dafür Ovationen des Publikums zu erhalten.






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