Beim wissenschaftlichen Beweis der Existenz von Wasser auf dem Mars knallten auf der Erde die Sektkorken. «Wir haben lange darauf gewartet», erklärte einer der US-Forscher im kalifornischen Kontrollzentrum für den Einsatz der Mars-Sonde «Phoenix», William Boynton, am Donnerstag. «Natürlich wissen wir, dass das GRS (Gammastrahlenspektrometer) von "Mars Odyssey" dieses Eis vor sechs Jahren entdeckt hat, aber wir haben es schließlich berührt und geschmeckt. Das hat es noch nicht gegeben.»
Der historische Nachweis gelang am Mittwoch, als «Phoenix» eine Bodenprobe in einem seiner Laboröfen erhitzte. Dabei wurde gefrorenes Wasser nachgewiesen: Die Probe sei bei einer Temperatur von Null Grad Celsius geschmolzen - dem Schmelzpunkt von Eis. Dabei seien Wasserteilchen entstanden.
Es war ein lange ersehntes Erfolgserlebnis bei der nicht immer glücklich verlaufenen «Phoenix»-Mission. Vor dem Wassernachweis hatte die US-Raumfahrtbehörde den Erfolg der bisherigen Expedition als minimal bezeichnet. Dennoch wurde bereits bei dieser Zwischenbilanz der Einsatz um fünf Wochen bis Ende September verlängert. Die Kosten steigen damit nach Angaben von Michael Meyer, dem wissenschaftlichen Leiter des NASA-Marsprogramms, um weitere zwei Millionen Dollar - bislang sind für die «Phoenix»-Mission 420 Millionen Dollar (269,5 Millionen Euro) angefallen.
Suche nach Möglichkeit von Leben auf dem Mars
Die Sonde landete am 25. Mai auf dem Mars und soll herausfinden, ob die arktische Region des Roten Planeten eventuell bewohnbar ist. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, ob das Eis auf dem Mars schon einmal geschmolzen war und so die Voraussetzungen für eine lebensfreundlichere Umwelt bestanden haben. Gesucht wird auch nach schwer fassbaren organischen Komponenten, die für das Entstehen einfacher Lebensformen wichtig sind.
«Phoenix» hatte nach der Landung Daten übermittelt, die auf Wasserspuren schließen ließen. Der Nachweis gelang aus einer fast schon aus Verzweiflung geborenen Idee: Nachdem zwei Versuche scheiterten, Proben mit viel Eis in einen der acht Laboröfen der Sonde zu baggern, nahm man einfach reinen Boden. Überraschenderweise befand sich in dieser Probe auch ein bisschen Eis, erklärte Boynton, der den Einsatz des Ofens leitet.
Anders als die Zwillings-Rover am Mars-Äquator kann der «Phoenix»-Einsatz am Nordpol des Roten Planeten nicht viel mehr verlängert werden: Wahrscheinlich wird die Sonde nicht genügend Energie haben, um den Mars-Winter zu überstehen, sagen die Wissenschaftler. Ein Panoramabild der Marslandschaft um den Landeplatz von «Phoenix» setzten sie aus 400 Aufnahmen zusammen. Es zeigt eine unwirtliche, von Staub und Felsen geprägte Landschaft.
Flüssigkeit in See des Saturnmonds Titan
Der Wassernachweis war nicht die einzige Erfolgsmeldung bei der Suche nach außerirdischen Flüssigkeitsvorkommen. Die amerikanisch-europäische Raumfahrtsonde «Cassini» wies diese Woche nach Angaben von NASA-Forschern das erste Vorkommen von Flüssigkeit auf der Oberfläche eines Himmelskörpers in unserem Sonnensystem außerhalb der Erde nach. In mindestens einem der seeartigen Gebilde auf der Oberfläche des Saturnmonds Titan seien Kohlenwasserstoffe enthalten, teilte die NASA am Mittwoch in Pasadena mit. Das habe die Sonde in 40 nahen Vorbeiflügen am Titan entdeckt.
