Die FDP hat bei einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage ihr bisheriges Jahreshoch von 14 Prozent erreicht. CDU/CSU und Linkspartei verloren in der wöchentlichen Erhebung des Forsa-Instituts für «Stern» und RTL je einen Prozentpunkt, Liberale und Grüne legten dagegen jeweils einen Punkt zu, und die SPD blieb unverändert. Wie aus der Umfrage weiter hervorgeht, erteilen die Deutschen den Mitgliedern des Bundeskabinetts schlechte Noten. Viele Minister sind einer Mehrheit der Befragten nicht einmal bekannt.
Bei den Parteien blieben CDU und CSU trotz der leichten Rückgangs mit zusammen 35 Prozent klar vorn. Gemeinsam mit der jetzt auf 14 Prozent gestiegenen FDP hätten sie damit eine regierungsfähige Mehrheit von drei Prozentpunkten gegenüber SPD, Grünen und Linken. Die Sozialdemokraten blieben mit 22 Prozent auf ihrem sehr niedrigen Stand, die Grünen verbesserten sich von neun auf zehn Prozent, die Linke ging von 15 auf 14 Prozent zurück, bleibt damit aber zusammen mit der FDP stärkste Oppositionspartei. Für sonstige Parteien würden sich unverändert fünf Prozent entscheiden.
Befragt nach den Parteipräferenzen wurden 2.500 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger von Montag bis Freitag vergangener Woche. 1.001 Umfrageteilnehmer wurden für den «Stern» auch Fragen nach den Mitgliedern des Kabinetts von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgelegt: Dabei war die Mehrheit nicht in der Lage, den einzelnen Ressorts die entsprechenden Minister zuzuordnen. So wissen nur elf Prozent der Deutschen, dass das Arbeitsministerium vom SPD-Politiker Olaf Scholz geleitet wird.
Steinmeier noch der Bekannteste
Selbst den Vizekanzler und möglichen SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier konnten nur 58 Prozent der Befragten als Außenminister nennen, der damit aber immer noch der bekannteste Minister ist. Ansonsten werden nur noch Familienministerin Ursula von der Leyen (56 Prozent) und Innenminister Wolfgang Schäuble (50 Prozent) von mindestens der Hälfte der Bürger korrekt ihren Ämtern zugeordnet. Beide gehören der CDU an.
Mehr als einem Drittel der Wähler ist nach der Umfrage zumindest noch ein SPD-Trio präsent: Gesundheitsministerin Ulla Schmidt bringt es auf eine Bekanntheit von 47 Prozent, Finanzminister Peer Steinbrück und Umweltminister Sigmar Gabriel kommen auf jeweils 36 Prozent. Die weitere Reihenfolge: Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD/31 Prozent), Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU/29 Prozent), Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD/28 Prozent), Agrar- und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU/28 Prozent), Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU/27 Prozent), Bildungsministerin Annette Schavan (CDU/24 Prozent), Justizministerin Brigitte Zypries (SPD/22 Prozent). Dass das Kanzleramt von dem CDU-Politiker Thomas de Maiziere geleitet wird, weiß sogar nur jeder zehnte befragte Bundesbürger.
Am wenigsten halten die Wähler von der Arbeit der Gesundheitsministerin. Nur 26 Prozent bewerteten Ulla Schmidts Arbeit als gut, wie Forsa ermittelte. Am besten schnitt dagegen Außenminister Steinmeier ab, ihm bescheinigten 65 Prozent gute Arbeit. Überwiegend positiv schnitten ansonsten nur noch von der Leyen (62 Prozent) und Steinbrück (56 Prozent) ab. Am schlechtesten bewertet wurden nach Ulla Schmidt die Minister Scholz (29 Prozent «gut»), Tiefensee und (jeweils 36 Prozent).
Merkel rangiert in anderer Liga
Sowohl in der Bekanntheit als auch bei der Bewertung rangiert Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer anderen Liga: 98 Prozent der Befragten konnten sie korrekt mit Amtsbezeichnung nennen, und auch noch eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit von 69 Prozent beurteilt ihre Arbeit als gut.
