"You Bitch! You Bastard"
veröffentlicht am 02.05.2008

Stars der Musikbranche sind auch nur Menschen, und zuweilen ganz schön boshafte dazu. Diesen Schluss legt jedenfalls das Buch «You Bitch! You Bastard» nahe, dessen Inhalt im Untertitel zusammengefasst wird: «Die größten Rock- und Popstars ziehen übereinander her».
Frankfurt - Stars der Musikbranche sind auch nur Menschen, und zuweilen ganz schön boshafte dazu. Diesen Schluss legt jedenfalls das Buch «You Bitch! You Bastard» nahe, dessen Inhalt im Untertitel zusammengefasst wird: «Die größten Rock- und Popstars ziehen übereinander her». Geboten werden Lästereien und spitzzüngige Zitate von Musikern und Musikerinnen aus den 70er Jahren bis in die jüngste Vergangenheit, teils witzig, teils niederträchtig und teils auch verräterisch.
Denn mit einigen der Zitate meint der Leser, Vorurteile bestätigt zu bekommen. Britney Spears etwa wird die auf Australien gemünzte Äußerung zugeschrieben: «Wo zum Teufel liegt dieses Land? Wer reist freiwillig 16 Stunden, um dorthin zu kommen?» Auf andere Art als intellektuelles Leichtgewicht und zugleich als Macho erweist sich Jagdfreund Ted Nugent mit den Worten «Ich will nicht behaupten, dass englische Frauen hässlich sind, aber als ich letztens im Hammersmith Odeon aufgetreten bin, habe ich mir die erste Reihe angesehen und gedacht, die Wildschweinsaison sei eröffnet.»
Dass es auch subtiler geht, zeigt Lisa Stansfield: «Ich habe es immer noch nicht geschafft, so hohe Töne von mir zu geben wie Mariah Carey. Sie wissen schon, die Töne, die sich nach Hundepfeife anhören.» Und Alice Cooper ist zu feiner Ironie fähig. Über seinen Schockrocker-Kollegen Marilyn Manson soll er gesagt haben: «Der Typ hat einen weiblichen Vornamen und trägt Make-up. Wie originell.» Selbstbewusstsein zeigt James Blunt, der seinen Kritikern erwidert: «Ich möchte diesen ganzen Bastarden, die meine Musik nicht mögen, dies sagen: Ihr seid alle erwachsene Menschen, schaltet doch einfach euer Radio ab!»
Fundgrube an Gemeinheiten
Wie den Beatles, den Rolling Stones, Pink Floyd und etlichen anderen Musikgrößen ist auch Madonna ein eigenes kleines Kapitel gewidmet. Die ihr zugeschriebenen Zitate klingen vergleichsweise fast philosophisch. Einstecken muss aber auch sie. «Madonna sah fantastisch aus. Ich kann nicht glauben, dass sie 89 ist und immer noch so toll aussieht!», soll Robbie Williams bei den MTV Europe Music Awards gesagt haben. Boy George ist offenbar anderer Meinung: «Marilyn Monroe mit Madonna zu vergleichen ist genauso, als würde man Raquel Welch mit der Rückseite eines Busses vergleichen.» Von Madonna selbst wird wiederum die Aussage überliefert: «Boy George bringt mich zum Kotzen!»
Eine wahre Fundgrube an Gemeinheiten ist das Kapitel über Ozzy Osbourne und seine Familie, und auch die Herren der Heavy-Metal- und Hard-Rock-Szene legen die Messlatte hoch. Mehr Ich-bezogen äußern sich David Bowie (»Mein Interesse an Musik schwand in den Achtzigern, weil ich erkannte, dass ich wichtiger war») und Mick Jagger: «Ich bin nicht erfreut über John Lydon, der die ganzen schlechten Dinge über mich sagt. Ich weiß, dass er das Gefühl hat, er müsse das tun, weil ich - neben der Queen - zum Besten gehöre, was England zu bieten hat. Ich und die Queen.»
Thema Alter wird häufiger thematisiert
Doch auch kluge Sentenzen zitiert Herausgeberin Susan Black. Jene von Chrissie Hynde von den Pretenders etwa: «In den Sechzigern versuchten 23-Jährige, wie Erwachsene zu klingen. Heute hat man 33-Jährige, die versuchen, wie 18-Jährige zu sein.» Dazu passend die Aussage von Fabrizio Moretti von The Strokes: «Die Rolling Stones sind alte Männer, die versuchen, junge Typen zu sein.»
Das Thema Alter wird im Buch häufiger thematisiert. Etwa mit diesem Rod Stewart zugeschriebenen Zitat: «Meine Songs werden heute nicht mehr so oft im Radio gespielt. Das stört mich nicht, ich hatte damals meine Chance. Diejenigen, die sich darüber heute beschweren, wie Status Quo und diese ganzen alten Jammerlappen, sind ganz schön raffgierig. Sie sollten einfach etwas anderes machen. So wie ich.» Und Bob Dylan wird im Kapitel «Good Old Days» mit den Worten zitiert: «Ich würde nicht mal daran denken, Musik zu machen, wenn ich in der heutigen Zeit geboren worden wäre. Ich hätte mich wahrscheinlich für so was wie Mathematik interessiert.»
Keine Zeitliche Zuordnung der Zitate
Auch Politik und soziales Engagement werden ausführlich behandelt, etwa im Kapitel zu Bono oder mit Aussagen über Bob Geldof. Dass es ein soziales Gewissen auch im kleinen gibt, zeigt Bobby Gillespie von Primal Scream mit der Aussage «Wir haben nie ein Hotelzimmer zerstört, weil es immer die Mutti von irgendwem ist, die den ganzen Scheiß für 1,50 Pfund die Stunde aufräumen muss.»
Thematisch überschneiden sich die 35 kurzen Kapitel teilweise, unterhaltsam sind sie allemal. Aufgelockert wird der Text von Karikaturen der Zeichnerin Jana Komarkova. Was fehlt, ist einzig eine zeitliche Zuordnung der Zitate. Ob Radiohead, Eminem, Tom Waits, Oasis und Blur, Pete Doherty, Johnny Rotten oder Amy Winehouse - Black hat ein Kompendium der lustvollen Boshaftigkeit zusammengestellt.
»You Bitch! You Bastard! Die größten Rock- und Popstars ziehen übereinander her», Hrsg. Susan Black, aus dem Englischen übersetzt von Thorsten Wortmann, Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, März 2008, ISBN 978-3-89602-815-0, 205 Seiten, 14,90 Euro
(© AP)




