Viele Ehefrauen und Mütter kommen über die Rolle der Hinzuverdienerin noch immer nicht hinaus. Trotz besserer Integration in den Arbeitsmarkt haben Frauen in Deutschland mit 30,2 Wochenstunden hinter den Niederländerinnen die zweitkürzesten Frauenarbeitszeiten in Europa, wie eine Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung ergab. Erwerbstätige Männer kämen hierzulande auf durchschnittlich 40,1 Wochenstunden.
Insgesamt liege die Frauenerwerbsquote in Deutschland mit 61,5 Prozent zwar über dem europäischen Mittel. Auf Vollzeitstellen umgerechnet stagniere dieser Anteil jedoch mit 46,5 Prozent seit Beginn des Jahrzehnts und sei damit unter den EU-Durchschnitt von 48,8 Prozent gerutscht. Die Zahl der in Teilzeit oder Minijobs arbeitenden Frauen wächst laut Studie dagegen stetig an.
Trotz aller öffentlichen Debatten über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf habe sich der Einfluss von Ehe und Kindern in den vergangenen Jahren verstärkt, erklärten die Wissenschaftler am Montag. Frauen, die eigentlich mehr arbeiten wollten, beschränkten sich aus familiären und persönlichen Gründen auf Minijobs und Teilzeitarbeit.
Verantwortlich dafür seien vor allem widersprüchliche Signale der Politik, kritisierten die IAQ-Arbeitszeitforscher. Während mit dem Ausbau von Kinderbetreuung und Elterngeld die weibliche Beschäftigung gefördert werden sollte, bildeten die vom Ehegatten abgeleiteten Ansprüche in der Sozialversicherung, das Ehegattensplitting und Minijobs entgegengesetzte Anreize.
Grundlage der Studie sind den Angaben zufolge eine Sonderauswertung des Mikrozensus und der Europäischen Arbeitskräftestichprobe.
