Die Ausbildung an Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland ist so beliebt wie nie zuvor: Fast 40 Prozent eines Geburtsjahrgangs haben sich 2008 als Studienanfänger eingeschrieben, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Auch die absolute Zahl von 385.500 Erstsemestern war so hoch wie noch nie. Gegenüber 2007 stieg sie um sieben Prozent. Besonders stark war die Zunahme mit 13 Prozent an den Fachhochschulen, während sie bei den Universitäten drei Prozent betrug.
Die in der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zusammengeschlossenen Leiter von Universitäten und FHs forderten ebenso wie das Studentenwerk und der studentische Dachverband fzs angesichts der Zunahme mehr öffentliche Gelder. Wegen der an die Hochschulen drängenden künftigen geburtenstarken und doppelten Abiturjahrgänge seien noch mehr Anstrengungen nötig. Der Grünenpolitiker Kai Gehring verlangte mit Hinweis auf die hohe Studienabbrecherquote von 20 Prozent Verbesserungen auch an den Hochschulen selbst.
Großer Anstieg in Hessen nach Abschaffung der Studiengebühren
Als eine mögliche Ursache für den starken Anstieg der Erstsemester nannte Statistiker Thomas Feuerstein auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AP am Beispiel Hessen die dortige Abschaffung der Studiengebühren, nachdem es im Vorjahr einen starken Rückgang gegeben habe. Zusätzlich zu den jetzt ohnehin geburtenstarken Jahrgängen gab es nach seinen Worten in weiteren zwei Bundesländern wegen der Umstellung der Gymnasialzeit von neun (G 9) auf acht Jahre (G 8) doppelte Abiturjahrgänge. 2007 war dies nach seinen Angaben bereits in Sachsen-Anhalt der Fall gewesen, 2008 nun im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern. Bei den jetzt vorgelegten vorläufigen Berechnungen sei noch nicht herausgerechnet, ob die Erstsemester einen G-8- oder G-9-Abschluss hatten.
Die Studienanfängerquote - das ist der Anteil Studienanfängerinnen und -anfänger an der gleichaltrigen Bevölkerung - liegt laut Statistischem Bundesamt für das Studienjahr 2008 bei 39,3 Prozent. «Das bildungspolitische Ziel, 40 Prozent eines Altersjahrgangs für ein Hochschulstudium zu gewinnen, wird also beinahe realisiert», erklärte Feuerstein. 1994 hatten erst 25,9 Prozent eines Jahrgangs ein Studium aufgenommen.
Erstmals seit 2003/2004 wieder mehr als zwei Millionen Studenten
Überdurchschnittlich mit jeweils elf Prozent war die Zunahme in den Technikbereichen Maschinenbau/Verfahrenstechnik und Bauingenieurwesen, wie die Statistiker weiter mitteilten. Die höchsten Steigerungen bei den Erstsemestern meldeten das Saarland (plus 15 Prozent), Brandenburg und Hessen (jeweils 14 Prozent) sowie Hamburg (12 Prozent). Lediglich in Sachsen (minus zwei Prozent) und Bremen (minus 0,2 Prozent) ist die Tendenz rückläufig.
Im gerade begonnenen Wintersemester 2008/2009 sind laut Bundesamt an den Hochschulen in Deutschland insgesamt 2,01 Millionen Studierende eingeschrieben. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Steigerung von knapp vier Prozent. Damit wird erstmals seit dem Wintersemester 2003/2004 wieder die Zwei-Millionen-Grenze überschritten. Damals hatte es mit 2,02 Millionen den absoluten Studentenhöchststand in Deutschland gegeben.
Der Anteil der Studentinnen erreichte 2008 mit 47,9 Prozent einen neuen Höchststand. 1,41 Millionen (70 Prozent) Frauen und Männer studierten an Universitäten oder vergleichbaren Hochschulen, 603.700 (30 Prozent) an Fach- oder Verwaltungsfachhochschulen.
