Mehr als drei Jahrzehnte nach der Ermordung des Bankiers Jürgen Ponto hat der Bruder der Ex-Terroristin Susanne Albrecht die früheren Mitglieder der Roten-Armee-Fraktion scharf kritisiert. Sie stellten sich weder der «menschlich-familiären Verantwortung noch der historischen und gesellschaftlichen», kritisierte Matthias Albrecht am Montag in einem Beitrag für Spiegel Online. Er forderte sie auf, ihr Schweigen zu brechen.
Susanne Albrecht hat sich wie viele andere ihrer Komplizen nie öffentlich von ihren Taten distanziert. Sie arbeitet heute in Bremen als Lehrerin. Dresdner-Bank-Chef Ponto wurde am 30. Juli 1977 ermordet. Er war ein Freund der Familie Albrecht.
Ihr Bruder beklagte, Susanne Albrecht habe vor der Tat ihre Eltern benutzt, um sich bei den Pontos einzuschleichen. «Ihr unfassbarer Verrat und ihre Taten haben nicht nur die Familien ihrer Opfer, sondern auch ihre eigene Familie nachhaltig zerstört», schrieb Matthias Albrecht. «Tiefste Verunsicherung meiner Eltern und Geschwister waren die Folge, und eine wirkliche Bewältigung des von Susanne verursachten familiären GAUs hat es bis heute nicht gegeben.»
Matthias Albrecht beklagte, dass sich seine Schwester auch auf seine Nachfragen nie genügend geäußert habe. «Noch immer sind Morde unaufgeklärt. Und noch immer ist die RAF letztlich die - durchaus positiv besetzte - Bezugsgröße der ehemaligen Täter.»
Susanne Albrecht wurde unter anderem für ihre Beteiligung an der Ermordung Pontos 1991 zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Seit April 1992 saß sie in der Justizvollzugsanstalt Bremen. 1996 wurde sie auf Bewährung entlassen.
