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Studiengebühren mit Abschreckungspotential

veröffentlicht am 01.11.2008


Studiengebühren sind für Schulabgänger ein wichtiger Grund, auf ein Studium zu verzichten. Wie die am Freitag veröffentlichte Studie des Hochschulinformationssystems (HIS) ergab, rangieren Studiengebühren an fünfter Stelle möglicher Beweggründe. Zwischen 6.000 und 18.000 Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 entschieden sich wegen der Gebühren endgültig oder vorläufig gegen ein Studium.

 

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Berlin - Studiengebühren sind für Schulabgänger ein wichtiger Grund, auf ein Studium zu verzichten. Wie die am Freitag veröffentlichte Studie des Hochschulinformationssystems (HIS) ergab, rangieren Studiengebühren an fünfter Stelle möglicher Beweggründe. Zwischen 6.000 und 18.000 Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 entschieden sich wegen der Gebühren endgültig oder vorläufig gegen ein Studium.



Beim Bildungsgipfel in der vergangenen Woche war Bundesbildungsministerin Annette Schavan vorgeworfen worden, die ihr nicht genehmen Ergebnisse bewusst zurückgehalten zu haben. Die Befragung im Auftrag des Ministeriums unter 5.240 Personen ergab, dass 1,4 Prozent die Studienaufnahme wegen der Gebühren definitiv ausschlossen. Maximal seien es 4,4 Prozent, wenn man diejenigen miteinrechne, die ein Studium zum Teil noch in Erwägung zögen. Damit falle der «Abschreckungseffekt» der Studiengebühren geringer aus, als es in den emotionsgeladenen politischen Debatten erwartet worden sei, schrieb die HIS. Häufiger genannte Gründe seien der Wunsch, möglichst schnell Geld zu verdienen, das Interesse an einer praktischen Tätigkeit, ein festes Berufsziel, das kein Studium erfordert, und die Befürchtung, das Studium dauere zu lange.


Bundesbildungsministerin Annette Schavan interpretierte das Ergebnis mit den Worten, bei der Entscheidung für oder gegen ein Studium spielten Studiengebühren eine untergeordnete Rolle. «Klar ist: Ein Studium lohnt sich - es ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und trägt bei zum Aufstieg durch Bildung», erklärte sie. Studiengebühren stärkten die Weiterentwicklung der Hochschulen. So würden sie auch von den Studenten wahrgenommen.


Sechs Prozent fliehen vor Gebühren an andere Unis


Zwei Prozent der Befragten entschieden sich laut Studie gezielt für eine Hochschule mit Studiengebühren, weil sie sich davon eine bessere Ausbildung versprechen. Allerdings gaben sechs Prozent an, ihr Studium gezielt an einer Hochschule aufzunehmen oder fortzusetzen, an der keine Gebühren zu entrichten sind. Frauen und Studienberechtigte aus hochschulfernen Elternhäusern reagieren demnach sensibler auf Studiengebühren als andere. Studienberechtigte mit guten Noten und positiver Einschätzung ihrer Berufsaussichten lassen sich von Studiengebühren in ihrer Planung kaum beeinflussen.


SPD-Abgeordneten erklärten, die negativen Auswirkungen der Studiengebühren auf die Entscheidung für oder gegen ein Studium ließen sich nicht durch statistische Winkelzüge wegdiskutieren. Gebühren verschärften eindeutig die Benachteiligung junger Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern beim Übergang zum Studium, erklärten Christel Humme und Jörg Tauss. Sie verwiesen auch darauf, dass zum Zeitpunkt der Erhebung nur in zwei Bundesländern Studiengebühren existierten. Erneut warfen sie Schavan vor, dass sie die Studie vor dem Bildungsgipfel zurückgehalten habe, weil ihr die Ergebnisse nicht passten.


Keine Lust auf Verschuldung


Der Studentische Dachverband kam aufgrund der Studie auch zu dem Schluss: «Studiengebühren schrecken vom Studium ab.» Er machte auch auf weitere finanzielle Beweggründe aufmerksam. So folge auf Studienverzicht wegen Studiengebühren die Angaben, dass ein Studium die eigenen finanziellen Möglichkeiten überschreiten würde und dass man sich nicht durch BAföG verschulden wolle. Daraus ergäben sich die Forderungen: Gebühren abschaffen, Studienfinanzierung ausbauen und Verschuldung verhindern.


  (© AP)



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